„Deine Wohnung hat Potential …“

Heute Nacht habe ich von Mini-Presslufthammer L. geträumt. Vermutlich, weil ich letztens hier eine Fantasie-Geschichte über ihn geschrieben habe. Wir sind auf rosaroten Wolken herumgesprungen und haben abfangen gespielt, bis er einmal daneben gehopst ist. Ups!
Vielleicht aber habe ich auch deshalb von ihm geträumt, weil ich gestern seit gefühlt hundert Jahren endlich mal wieder dazu gekommen bin, die Bilderrahmen in meiner Wohnung abzustauben. Sind insgesamt 28 Stück. Hatte auch Zeit, sie mal zu zählen … Als ich L. damals zu mir nach Hause eingeladen hatte und bevor er in meinem Mund herumrührte wie eine Küchenmaschine in einem Keksteig, gab’s da nämlich noch eine … hm … sagen wir … eine spezielle Szene, in die wir jetzt eintauchen:

Ich bitte L., hereinzukommen, was er auch macht. Er zieht sich seine Schuhe aus und lässt seinen Blick prüfend durch mein Vorzimmer streifen. „Der Einbauschrank war schon drin“, sage ich entschuldigend, weil ich ihn zwar praktisch, aber nicht unbedingt schön finde.
„Da hat man viel Stauraum“, sagt er. Und: „Hast du überall was drin?“
Ich nicke.
„Was denn?“
„Bettwäsche, Winterklamotten, Gesellschaftsspiele.“
„Aha, aha“, sagt er und folgt mir durch die Küche ins Wohnzimmer. Wieder streift sein Blick kontrollierend durch die Räume. Begleitet von einigen „mmmh“– und „hmmm“–Lauten. Ich fühle mich wie bei einer Castingshow: Österreicht sucht die Superwohnung. Und ich fühle mich, als würde ich es nicht in den Recall schaffen …

„Hängst du sehr an diesem Bild?“, fragt er mich schließlich.
„Das sind meine Großeltern.“
„Ja, aber hängst du sehr an diesem Bild?“
„Schon.“
„Hm“, raunt er unzufrieden und legt seinen Kopf schief, „Die Couch könnte man auch hierher stellen.“
„Bitte wie?“
„Na, die Couch würde hier auch super ausschauen“, er deutet in ein Eck, in dem eine Vitrine steht.
„Und was ist dann mit dem Teil?“, frage ich unsicher.
„Braucht man nicht wirklich.“ Dann stellt er sich in die Mitte des Zimmers und murmelt etwas Unverständliches in seinen Bart. Ich stehe unbeholfen daneben.
„Magst du was trinken?“, frage ich.
„Aber ja, das haut schon hin.“
„Wie meinst du?“
„Deine Wohnung hat Potential. Wo ist das Bad?“
„Hier“, sage ich und denke, er will sich die Hände waschen.

Will er nicht. Stattdessen klopft er fachmännisch auf die Fliesen an der Wand. Von welcher Behörde ist er bitte? Und was habe ich falsch gemacht?? Wie groß wird meine Strafe ausfallen? Habe ich genügend Geld am Konto, um sie zu bezahlen??? Ich werde nervös.
Nachdem er die Fliesen abgeklopft hat, dreht er den Wasserhahn mehrmals auf und zu.
„Der Wasserdruck ist schlecht.“
„Ich weiß, aber Wien, Altbau, dritter Stock. Eigentlich fünfter Stock, wenn man Mezzanin und Hochparterre dazu rechnet. Mein Installateur hat gesagt, das ist normal …“, sage ich verteidigend.

„Aber ja, haut hin“, sagt er schließlich. Ich atme auf. Keine Strafe und ich muss mein Erspartes nicht anrühren.
„Ich könnte mich schon wohlfühlen in der Wohnung“, lautet das endgültige Fazit, als er sich auf die Couch setzt.
„Wie meinst du?“
„Na, wenn wir zusammenziehen.“
„Bitte was?“
„Ich wohne aktuell in meinem alten Kinderzimmer bei meinem Vater, seit es mit meiner Ex aus ist. Da bleib ich doch nicht ewig!“, lacht er und lehnt sich zurück. Ich lache nicht.


Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.