Herz an Herz, Teil 1

Ich kann’s also noch … Verliebt sein, mein ich. Da ist plötzlich wieder dieses Kribbeln im Bauch, wenn ich an eine bestimmte Person denke. Das Herzklopfen, wenn sein Name auf meinem Handy-Display aufleuchtet. Das Gefühl, das plötzlich alles bunter, lebhafter und schöner ist. Und ich hatte schon längst vergessen, wie viel Glück eigentlich in so ein kleines Herz reinpasst …

Da ist jetzt so viel Leichtigkeit und Schönheit und Freiheit im Brustkorb und im Kopf. Und die ganzen blöden Alltagsprobleme, die davor noch so mächtig schienen, sind mit einem Mal auf Mäusegröße geschrumpft. Was Verliebtheit alles bewirkt …

Was für ein Mann!

Er ist groß, blond, trainiert und hat Humor. Wir sind bei einem Event miteinander ins Plaudern gekommen. „Ich mag dein Lachen“, hat er gesagt. „Und deine Augenbrauen.“

Seitdem telefonieren wir fast täglich. Abends, wenn wir beide daheim auf der Couch liegen. Wir erzählen uns von unserem Tag und den Gedanken, die wir so haben.

„Wenn du ein Jahr lang tun und lassen könntest, was du willst und Zeit und Geld würde keine Rolle spielen – was würdest du machen?“, fragt er mich.
„Ich weiß nicht …“, antworte ich.
„Komm, sag schon!“
„Hm … Na gut … Ich würd einmal gern mit Delfinen schwimmen. Draußen im Meer. Und unter einem Wasserfall baden. Und … vielleicht auch gleich Sex haben, wenn ich schon dort bin.“
Ich mache eine Pause und warte darauf, dass er etwas dazu sagt. Tut er nicht. Also spreche ich weiter: „Ich möchte auch unbedingt eine Safari machen. Ich würd mir die schönsten Bleiben auf Airbnb checken und die Welt sehen: Wein trinken in der Toskana, einen Sonnenuntergang auf dem Tafelberg in Kapstadt erleben, … So Zeugs.“
„Das mit Südafrika ist eine tolle Idee …“

Und schon sehe ich vor meinem geistigen Augen, wie wir beide eng umschlungen auf der Bergspitze sitzen und er zärtlich meine Schläfe küsst, während die Sonne leise ins Meer eintaucht.
„Nirgends wäre ich jetzt lieber in diesem Moment“, höre ich ihn in mein Ohr flüstern.
„Ich auch nicht“, höre ich mich seufzen, „Du bist mein Alles.“
Dann sehe ich mich euphorisch wie Rumpelstilzchen um ein Lagerfeuer springen: „Verliebt, verlobt, verheiratet! Verliebt, verlobt, verheiratet!“

„Was machst du morgen Abend?“, reißt er mich aus meinen Tagträumen.
„Noch nichts, warum?“
„Lust, mit mir ins Kino zu.“
„Hmm … Ja, warum nicht?“, sage ich und versuche, möglichst beiläufig zu klingen. Innerlich zucke ich aus: MORGEN ABEND SCHMUSEN WIR! MORGEN ABEND SCHMUSEN WIR! MORGEN ABEND SCHMUSEN WIR!

Fortsetzung folgt

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