Und er sagt: „Hey, ich mag deinen Po …“

M. und ich liegen im Bett, als mein Handy klingelt. Das wiederum liegt am Boden neben der Steckdose. Akku lädt. Ich schiele rüber aufs Display. Mama. Das erkenne ich am Foto, das über den ganzen Handybildschirm leuchtet. Ein Selfie, das wir gemacht haben, als sie das letzte Mal in Wien zu Besuch war. Ein ausbaufähiges Selfie, aber ich mag es, weil wir beide so herzhaft darauf lachen. Ich weiß gar nicht mehr, warum. Irgendein blöder Witz vermutlich. Ich habe die Augen auf dem Bild halb zu, dafür den Mund sperrangelweit offen. Meine Mutter wiederum ist ganz gut getroffen. Sagen wir’s halt so, weil sonst läutet gleich wieder mein Handy, wenn sie die Geschichte hier liest und sie fragt mich, wie ich das über meine eigene Mutter sagen kann. Die, die alles für mich tut, was auch tatsächlich stimmt. Macht man nicht, sagt sie dann, ist ein ungeschriebenes Gesetz.

Ein anderes dieser ungeschriebene Mama-Gesetze ist, dass man abhebt, wenn sie anruft. Wurscht, ob man gerade beim Bungeejumping ist und an einem Seil von irgendeiner Brücke baumelt, der Körper voller Adrenalin. Auch wenn man sich in dem Moment einen Anker aufs Handgelenk tätowieren lässt oder man in einem extrem wichtigen Meeting mit dem Chef ist – man hebt ab, wenn Mama anruft.
Und dann geht’s los: „Kathi, ich schau gerade QVC. Die haben super praktische Regenponchos im Angebot.“
„Danke, Mama, aber ich brauche keinen!“
„Der ist wirklich nicht schlecht.“
„Glaub ich schon, aber ich brauche keinen. Danke.“
„Haben sie in schwarz, grau und rot. Rot wäre super. Du hast eh kaum was in Farbe … Rot passt gut zu blond.“
„Ich. Brauche. Keinen. Danke.“ 
„Was ist mit einem Bewegungsmelderlicht?“
„Einem was?“
„Das schaltet sich ein, wenn du dran vorbeigehst.“
„Wofür soll das gut sein?“
„Wenn du in der Nacht aufs Klo musst zum Beispiel.“
„Aha, nein danke. Brauche ich nicht.“
„Sicher?“
„Sicher.“

Ich drehe mich zur Seite und greife nach dem Telefon. Verdammt, es liegt zu weit weg und ich bin zu faul, um aufzustehen. Also schiebe ich meinen Körper bis ganz zum Bettrand und strecke meine rechten Hand so weit es geht nach vor. So weit, dass mir fast ein Krampf im oberen Rücken einfährt. Ich erwische es trotzdem noch nicht. Ein Zentimeter fehlt mir noch, dann hab ich es. Ich schiebe meinen Oberkörper über den Bettrand hinaus, stütze mich mit der linken Hand am Boden ab und erwische mit der rechten so endlich das Handy. Wäre einfacher gewesen, ich hätte mich kurz aufgesetzt, aber es geht ums Prinzip – ich musste nicht aufstehen.

„Ja?“
„Von dir hört man ja gar nichts mehr.“
„Ähm, ich bin ja gerade dran!?“
„Eh, trotzdem. Du, weshalb ich anrufe …“

Sowas wie Dirty Talk … Und ein paar Po-Übungen …

Fünf Minuten und 37 Sekunden später ist unser Telefonat beendet. Sie hat mir erzählt, dass … Eigentlich ist es herzlich wurscht. Worum’s nämlich tatsächlich geht:

M. tätschelt mir den Hintern, während ich dabei bin, mein Handy wieder ans Ladekabel anzuschließen.
„Hey, ich mag deinen Po“, sagt er.
Aja, aha, das ist der Startschuss für … Eh schon wissen. Ja, du, mir soll’s recht sein. Draußen regnet es und ich war in letzter Zeit eh eher nachlässig, was das Training betrifft. Ein bisschen Bewegung schadet also nicht … Ich muss das mit dem Sport aber echt wieder richtig aufnehmen und wieder öfter ins Fitnessstudio gehen, weil scheinbar zahlen sich die regelmäßigen Po-Übungen echt aus:

Squats (hüftbreiter Stand, so tief wie möglich in die Knie gehen und Hintern nach hinten strecken als würde man sich auf einen Stuhl setzen, 2×12 und 2×10 Wiederholungen)
Beckenbrücke (Rückenlage mit aufgestellten Beinen, alles anspannen, was zum anspannen geht und Becken hochheben, wieder 2×12 und 2×10 Wiederholungen)
Donkey-Kicks (Vierfüßlerstand, vorne auf den Ellbogen abstützen, ein Bein angewinkelt bis auf Po-Höhe nach oben heben, dann wieder senken, 2×12 und 2×10 Wiederholungen pro Bein)

„Du magst meinen Hintern also?“, wiederhole ich, drehe mich in seine Richtung und klimpere kokett mit meinem Wimpern. Ich rolle mich auf den Bauch, drücke meine Hüftknochen in die Matratze, um meinen Gluteus maximus perfekt in Szene zu setzen. Um sicherzugehen, dass es eh einigermaßen nach was ausschaut, wie ich da liege, werfe ich mein Haar von links nach rechts und schiele schnell über meinen Rücken. Ja, geht, finde ich. Und ja, er sieht ganz knackig aus, muss ich sagen.
„Ich steh total drauf“, sagt M. und streicht mit seinen Fingern zärtlich meinen Rücken entlang.
Ja, ja, ja, ich habe verstanden. Ich drehe mich wieder um, greife noch einmal nach meinem Handy und schalte es auf lautlos. Damit uns kein nerviges Klingeln und Piepsen ablenkt. Denn jetzt geht’s los! Jetzt geht’s looohooos! JETZT GEHT’S LOOOOOOS! Ich schmiege mich sanft und lasziv an ihn und frage: „Was magst du denn an meinem Po?“
Er knabbert an meinem Ohrläppchen und haucht: „Dass er so butterweich ist …“

Ein Kommentar

  1. So schnell sinkt man von 100% auf 0% in wenigen Sekunden. Der Gedanke vom Fitnessstudio sprießt einem förmlich ins Gesicht. Aber die lasziven Bewegungen haben sicher hervorragend ausgesehen. 😏

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