Hände hoch, das hier ist ein Uber-Fall!

Donnerstag Abend nach der Arbeit.

Ich bin noch in der Stadt verabredet. Mit einem guten Freund, den ich leider viel zu selten sehe. Ich bin müde, aber gleichzeitig freue ich mich auf das Treffen. Und auf die Pizza, die ich mir bestellen werde. Extra-Käse. Geil.
Ich checke mir online eine Fahrt mit Uber. Die App zeigt mir an, dass Mozzi zu mir unterwegs ist. In drei Minuten sollte er mit seinem Renault irgendwas vorfahren. Bepackt mit zwei Stoffbeuteln und meiner Trainingstasche stehe ich am Gehsteig. Ich war heute Morgen noch trainieren. Ich muss sagen, ich ziehe das im Moment ziemlich konsequent durch. Ein bisschen stolz macht mich das schon. Auch, dass ich neuerdings mir mein Mittagessen immer selbst in die Arbeit mitnehme. Spart Zeit und Geld. Vor allem fühle ich mich so organisiert und strukturiert. Wie Marie Kondo in klein. Okay … In sehr, sehr klein. Aber Potential ist da. Und wenn ich so weitermache, kann ich bald eigene Workshops anbieten: „Das Tupperdosen-Prinzip. Wie Frischhaltedosen Ihr Leben nachhaltig verbessern“, zum Beispiel. Klingt ja ganz gut, oder? Oder ich schmeiß einfach Verkaufspartys. Wobei da mittlerweile Sextoys mehr ziehen als Salatschleudern … 

Darum geht’s jetzt aber gar nicht. Wo war ich gerade? Ah, ich weiß schon wieder: Ich stehe also am Gehsteig und warte. Während ich warte, checke ich mein Instagram und schiele immer wieder auf die Straße, um zu sehen, ob mein Uber-Fahrer schon da ist. Haha, die Stories von susanne_superklumpert sind auch immer zum Brüllen.

Im Blickwinkel erkenne ich schließlich den Renault-Diamanten. Schon eile ich zum Auto. Ich reiße die Tür auf, werfe meine Sackerl auf die Rückbank und schwinge euphorisch meinen Körper dazu. Der Mann dreht sich um zu mir.

Und er starrt mich noch immer an …

„Hi“, sage ich.
Er sagt nichts. Alter, ich kapier das nicht!!! Wieso können die meisten Leute nicht mehr grüßen!? Das ist so eine unfassbare Unart. Als würde irgendjemandem eine Perle aus der Krone fallen, wenn er ein leises „Hallo“ über seine Lippen schleichen lässt. Wow!! Der Typ ist Mitte, Ende 40. Er sollte eigentlich mittlerweile wissen, was sich gehört. Aber gut, wenn er’s bis jetzt nicht gelernt hat, wird er’s vermutlich nicht mehr lernen. Und ich bin nicht seine Mama. Auch nicht seine Frau. Werd’s auch nie werden, weil Männer ohne Manieren törnen mich ab. Aber er ist jetzt sowieso nicht unbedingt mein Typ. Aber einen Punkt Abzug gebe ich ihm dafür schon. Da kann er sich sicher sein …
„Ja, ich bin Katharina“, sage ich, als er seinen Kopf noch immer zu mir zurück verrenkt. Sehe ich auf meinem Foto, das er von mir sieht, so anders aus als ich echt? Welches Bild wird ihm überhaupt angezeigt auf Uber? Muss ich mir mal anschauen …

„Wir können los“, sage ich. Dann senke ich meinen Blick und antworte auf die Whatsapp-Nachricht meines Freundes, der schon ein bisschen früher als ausgemacht im Lokal sitzt und auf mich wartet.
„Bin auch schon am Weg“, tippe ich in mein Handy.
Sind wir denn noch immer nicht losgefahren? Oh Mann! Da bin ich zu Fuß ja schneller … Ich löse meinen Blick vom Display. Okay, die Ampel ist grün. Und er starrt mich noch immer an. Was ist los mit ihm? Vielleicht erinnere ich ihn an seine verstorbene Frau. Oder ihm ist übel und er klappt gleich zusammen. Sein Teint ist sehr okay. Dürfte sogar gerade aus dem Urlaub kommen, der Gesichtsfarbe nach zu urteilen. Seine Pupillen wirken auch sehr normal. Oh Gott, bitte kein Hypochonder! Das geht gar nicht … 

„Ich bin schon da und warte auf Sie.“

Mein Handy klingelt. Auf meinem Display erscheint eine Nummer, die ich nicht kenne. Ich hebe trotzdem ab. Vielleicht jemand aus der Arbeit. Oder irgendeine Zentrale, die mir mitteilen möchte, dass ich einen vierwöchigen Luxus-Aufenthalt auf Bali gewonnen habe. Oder ein feines Wellness-Wochenende. Oooh, das wär’s! Bitte, bitte, bitte lass es ein Wellness-Wochenende sein.  
„Ich bin schon da“, höre ich eine männliche Stimme sagen.
„Wer spricht da?“
„Ihr Uber-Fahrer.“
„Wie jetzt?“
„Ich bin schon da und warte auf Sie. Wo sind Sie?“
„Was? Oh. Ah. Ähm. Jaaa. Achsoooo … Komme gleich!“

Naja, gut, nun verstehe ich auch, warum der Mann hinterm Lenkrad nicht losfährt, sondern mich anstarrt, als wäre ich irgendeine verrückte Alte, die sich einfach so auf seine Rückbank gesetzt und ihn gebeten hat, mich vor irgendein Lokal zu kutschieren … Ups!

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