Wie Selbstliebe NICHT funktioniert …

Definition Selbstliebe: „Selbstliebe ist ein wesentlicher Teilaspekt des umfassenderen Selbstwertgefühls, das in einem hohen Maße nicht nur das Selbstbild eines Menschen bestimmt, sondern auch Basis eines wertschätzenden Umgangs mit anderen Menschen ist. Die Interaktion mit der Umwelt wird zu einem wesentlichen Teil durch die Selbstliebe einer Person geprägt. Eine andere, für Sozialkontakte fast ebenso wichtige Selbstwert-Komponente ist Selbstvertrauen, d.h. das Vertrauen in die Fähigkeit, das eigene Leben gestalten und selbst gesteckte Ziele erreichen zu können.“ (Wikipedia)

So, ich würde mir bitte gerne selbst einen Orden verleihen. Der steht mir auch echt zu. Ich muss sagen, den hab ich mir WIRKLICH verdient. Zweifellos. Und zwar ernenne ich mich an dieser Stelle hochoffiziell zur „Vollidiotin des Sommers 2019“.

Ich bin letztens vier Stunden am Pool gelegen. Dreieinhalb davon habe ich damit verbracht, mir zu überlegen, dass meine Haut ja viel zu weiß ist. Ich habe die Dehnungsstreifen an meinen Oberschenkeln gezählt, festgestellt, dass meine Fesseln viel zu stark und meine Oberarme viel zu schwabbelig sind. Auf Instagram habe ich nach vorteilhaften Pool-Posen recherchiert und bin drauf gekommen, dass jede einzelne davon ziemlich unbequem ist. Ich hab darauf verzichtet, zur Abkühlung ins Wasser zu steigen, weil ich gefunden habe, dass die hochstehende Sonne zusammen mit der Erschütterung beim Auftreten eine möglichst uncharmante Kombi ergeben, was meine Cellulite betrifft.

„Echt schirch!!!“, hab ich mir gedacht, als ich gerade dabei war, im Internet nach Übungen zu googeln, die einem schmalere Waden machen soll.
„Echt schirch, wie lieblos du mit dir selbst umgehst!!!“ Und vor allem, hab ich mich gefragt, was mir das bringen soll – außer, dass ich mich den ganzen Nachmittag lang selbst gegeißelt habe. 210 wertvolle Minuten habe ich damit verbracht, meinen Kopf mit abwertenden Ideen über mich selbst zu füttern. Ich mein, man kann ja schon auf sich schauen und an sich arbeiten. Selbstliebe hat jetzt ja auch nichts damit zu tun, sich gehen zu lassen und dann zu sagen: „So bin ich halt.“ Aber das, was ich hier gemacht habe, war so weit weg von Selbstliebe, und auch von Selbstakzeptanz, wie gefühlt die Kaffeemaschine morgens von meinem Bett …

Nicht mit mir!

Und dann hab ich beschlossen, dass ich einfach nicht mehr einsteige, wenn sich das blöde Gedanken-Karussell wieder zu drehen beginnt. Keine einzige Runde bin ich mehr dabei! Nicht mit mir!!!

Denn ich bin es mir wert! Jawohl!!! Ich bin schön! YESSSSS!
Ich bin toll! Und wie!!!!!
Ich bin eine Meisterin der Selbstliebe!!!!!!! Oh ja, das bin ich!!!!

Deshalb hab ich meinem Unterbewusstsein gleich noch ein paar neue Glaubenssätze für mehr Body Positiviy hingepfeffert:

Ich liebe meine Cellulite!!! Jaaaaa!!!
Ich feiere meine Dehnungsstreifen!!! Halleluja!!!!
Es gibt nichts Schöneres als starke Fesseln!!! Nichts Schöneres!!!!
Die Oberarme sollen schwabbeln!!! AMEN!!!

Naja … Wirklich überzeugt habe ich mich selbst nicht.

Nur ein Prozentchen Selbstliebe …

Dann ist mir Lifecoach Laura Malina Seiler eingefallen. In einer ihrer Podcast-Folgen hat sie mal erzählt, dass man seine Gedanken nicht immer gleich um 100 Prozent verändern muss. Für den Anfang reicht nämlich auch ein Prozent. Ein winzigkleines Prozentchen. Deshalb hab ich mich mit mir selbst schließlich darauf geeinigt, es mit einer neutralen Einstellung zu probieren. Und mit meiner Cellulite, meinen Dehnungsstreifen und meinen Fesseln hab ich auch einen Deal ausgehandelt: Ich lass sie dort, wo sie sind und dafür lassen sie mein Hirn in Ruhe. Auf diese Lektion in Sachen Selbstliebe hab ich mir einen Aperol-Spritzer gegönnt! Okay, vielleicht waren es auch zwei … Und ein Magnum. White Chocolate und Cookies. Wollte mir auch von dem ein zweites holen, aber das ist im Grunde wie mit den Selbstliebe-Gedanken … Man muss es ja nicht gleich übertreiben …

Die halbe Stunde, in denen ich mir keine hässlichen Gedanken über meine Erscheinung gemacht habe, hab ich übrigens geschlafen. Vermutlich mit offenem Mund …

Dehnungsstreifen pro Bein: Egal
Negative Gedanken: Viel zu viele

Problemzone: 1, (mein Kopf)
Gehörte Podcast-Folgen von Laura Malina Seiler: 2
Getrunkene Aperol-Spritzer: 2
Gegessenes Eis: 1
Widerstandene Versuchungen, ein Eis zu essen: 45


3 Kommentare

  1. …so jetzt hab ich mir auch das Bildmaterial zu dicken Fesseln auf Google gegebenen und festgestellt: Bei mir sind die auch „ausgeprägter“!!! Wtf!! Irgendwie stimmt mich trotzdem jedoch der Gedanke ruhig, alles wäre „operierbar“… mit dem nötigen Kleingeld … was ich mir mit Hirn & Arbeit beschaffen kann. Hingegen Hirn alleine operieren stell ich mir schwierig vor. Also lieber „körperliche“ Defizite als kein Hirn, ohne Hirn bist echt aufgeschmissen… 🤷🤣

    …nur so meine Gedanken dazu…🙈🤣

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  2. Da lobe ich mir doch die Männer! Die geben sich mit solchem Kram überhaupt nicht ab und schleppen ihren Bierbauch und ihre blassen Waden ganz selbstbewusst durch die Landschaft.
    Übrigens wird dein Artikel morgen (Donnerstag) bei mir in den Coolen Blogbeiträgen verlinkt werden!
    LG
    Sabienes

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  3. Gerade in Google nur Fesseln eingegeben…das eröffnet andere Gebiete.

    Wenn meine Selbstliebe mal wieder Pause macht rufe ich mir immer wieder in den Kopf dass sich absolut keiner für mich interessiert. Das hilft, im Endeffekt interessiert sich Dame oder Herr XY eh nur für sich selber und seine Schwabelärmchen…man selber guckt ja auch in der Menge rum und stellt dann fest wie viel besser jeder andere aussieht. Dann besinn ich mich darauf, dass die auch alle nur rumgucken und denken wie viel toller ich aussehe und meine Zebrastreifen am Bein gar nicht bemerken…dann geht’s einem wieder gut und man kann auch mal ohne Gedankenkarussell im Schneidersitz Platz nehmen und Bauchatmung betreiben.

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