Geheimtipp: Penis-Creme bei Schrumpel-Händen

Etwas, das ich an mir lange nicht akzeptieren konnte, war bislang die Tatsache, dass ich beim Yoga einfach in keinen Flow hineinkomme. Power-Yoga, Bikram-Yoga, Yoga mit Adriene, Samir und wie sie alle heißen – keine Chance. Mich stresst es mehr als es mich entspannt. Und ich atme auch grundsätzlich falsch. Wenn es heißt „einatmen“, atme ich aus, wenn es heißt „ausatmen“, atme ich gar nicht oder ein. Als würde mein Körper sich denken: „Ich lass mir doch nicht von jemand anderem sagen, wann ich wie atme.“ Und ich kann’s ihm ja nicht mal übel nehmen, ich steh ja auch sehr auf Selbstbestimmung …

Nachdem jetzt alle während der Zeit der Selbstisolation Yoga daheim machen (zumindest auf Instagram), dachte ich mir, ich gebe dem Ganzen noch einmal eine Chance. Fazit: War für’n Arsch.

Allein, was mir für Gedanken und Fragen kommen, während ich in der kleinen Kobra am Boden liege: Wie viele echte Freunde hat Madonna eigentlich? Warum sagt ihr keiner von ihnen, dass sie das mit dem Botoxen jetzt vielleicht echt mal sein lassen sollte? Wie sehr darf man sich überhaupt ins Botox-Business anderer einmischen? Und was zeugt von mehr Loyalität: Intervenieren oder kommentarlos akzeptieren? Und warum beschäftigt mich das Gesicht von Madonna eigentlich so?

Beim Wechsel in den herabschauenden Hund sehe ich meine vom Waschen mitgenommenen Hände und es fällt mir folgende Begebenheit ein, die ich euch jetzt gerne nacherzählen möchte:

Die Geschichte von der Penis-Creme

Vor ein paar Jahren war ich auf einer Sextoy-Party eingeladen. Im Wiener Gemeindebau. Ich glaube, mehr muss ich nicht dazu sagen. Nur so viel: Ich wusste bis zu dem Zeitpunkt nicht, wie viele schlechte Wortspiele auf dieser Welt existieren … Wie ich dazu gekommen bin, ist an dieser Stelle übrigens irrelevant. Am Ende der Veranstaltung jedenfalls haben wir alle ein kleines Geschenk von der Gastgeberin bekommen. Die Damen einen rosaroten Highspeed-Vibrator und die Herren eine XXL Penis-Creme, die das Gemächt besser durchblutet und somit praller werden lässt.

„Geh bitte, das brauche ich wirklich nicht!“, sagt meine Begleitung empört und wirft mir die Penispumpsalbe ins Sackerl.
„Na, ich brauche sie aber auch nicht.“
„Ja, aber ich noch weniger …“
„Okay, ist klar. Botschaft angekommen!“

Wir verabschieden uns von der Gruppe und fahren heim.
„Ich mochte ihr Wohnzimmer nicht“, resümiere ich, „Das hat was von Möbelhaus, null eigener Stil, null Persönlichkeit. Und violett ist überhaupt nicht meine Farbe, habe ich heute festgestellt. Aber ihre Frisur war schön.“
„Lies mal vor, was auf der Verpackung steht“, fordert mich meine Begleitung auf, während wir im Auto sitzen.
„Welche Verpackung?“
„Na, die von der Creme?“
„Welche Creme, bitte?“
„Diese Penis-Creme …“
„Achso!!
„Stahlhart … bla bla bla … Potenzsteigerung … bla bla bla … toller Duft … bla bla bla …“, trage ich vor.
„So ein Blödsinn!“, wettert er am Lenkrad.
„Was machst du am Wochenende?“, frage ich und werfe die Penis-Creme zurück ins Sackerl.
Wir reden vom Wandern, vom Staubsaugen und wie man richtig sauniert (vorher duschen, vorschwitzen vor dem Aufguss, nicht länger als 15 Minuten sitzen bleiben).

Circa 20 Minuten später sind wir bei mir angekommen.
„Danke fürs Heimbringen“, sage ich und öffne die Autotür, „Mach’s gut und hab ein feines Wochenende!“
„Du … ähm …“
„Ja?“
„Geh, kannst du mir die Creme bitte da lassen?“
„Aha, aha, also doch …“
„Nein, aber ich habe plötzlich so extrem trockene Hände.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.