Paris, das Vintage-Karussell und Tipps für die Stadt.

Bonjour, Paris! Schön, dich wieder zu sehen. Lange ist es her, als ich das letzte Mal hier war. Vor zehn Jahren, wir feiern quasi Jubiläum. Du hast dich kaum verändert, bist so chic und mondän wie eh und je. Ich war mit meiner damals besten Freundin hier, erinnerst du dich? Und mit einem gebrochenen Herzen.
„Es ist für immer hin“, hab ich damals geplärrt, „Nie wieder werde ich mich verlieben können.“
Und: „Ich wünsch ihm lebenslangen Durchfall.“
Dann hat mir meine Freundin vorgeschlagen, nach Frankreich zu reisen, um Freunde zu besuchen. Ausgerechnet in die Stadt der Liebe. Bäh. Ich hab nur mit den Schultern gezuckt, aber meinetwegen. Hauptsache weg. Die Alternative wäre eine Kurzhaarfrisur gewesen, als Symbol für einen Neubeginn. Aber ich fürchte, das steht mir leider nicht.

Paris hilft dir nicht beim Abnehmen. Aber es hilft dir, dein Herz zu heilen …

Das Geld reichte damals nur für eine notdürftige Unterkunft, irgendwo außerhalb des Stadtzentrums. Vom Hotel bis zum Eiffelturm haben wir mit den Öffis eineinhalb Stunden gebraucht.

Das Geld reichte damals auch nur für Baguette, Käse und Rotwein aus dem Supermarkt. Wir haben uns auf die Wiese vor dem Eiffelturm gelegt und in den blauen Himmel geschaut und gegessen und getrunken und gelacht. Ich hab zwischendurch immer wieder ein bisschen geweint.
„Ich vermisse ihn so“, habe ich gejammert.
„Il me manque“, damit auch meine französischen Freunde wussten, warum ich heulte. Fünf Tage hintereinander. Und mit jedem Tag sind die Tränen weniger geworden.

Streetart by Banksy: There is always hope
There is always hope – Streetart by Banksy

An Tag drei fühlte ich mich eigentlich gar nicht mehr danach, zu weinen. Aber die Crêpes … Diese verführerisch guten Crêpes mit Schokoladencreme und ganz viel Staubzucker. Sie brachten sie mir immer, wenn meine Augen glasig wurden. „Ne pleure pas“, haben sie gesagt, „weine nicht“, und mir über den Rücken gestreichelt. Den Pawlowschen Hund kennt ihr, oder? Ich möchte jetzt nicht sagen, dass ich irgendwann aus Berechnung geheult habe. Die Crêpes waren nur so verdammt gut. Und so verdammt teuer, direkt unter dem Eiffelturm.
Paris hilft dir nicht beim Abnehmen. Aber es hilft dir, dein Herz zu heilen.

… und es dreht sich immer weiter.

Ich sitze in einer kleiner Bäckerei, mit einem momentan recht stabilen Herz. Es riecht nach warmen Baguette und Kaffee. Die Porzellantassen klirren und dazwischen rufen die Leute „Bonjour“, „oui“, „voila“ und noch mehr dieser vielen schönen französischen Wörter. Ich nippe an meinem Kaffee und brösle mit meinem Pain au chocolat den ganzen Tisch voll. Inklusive Laptop. Von dem Gebäck werde ich noch lange etwas haben. Auf den Hüften und zwischen den Tasten …

Gestern war ich spazieren. 23.000 Schritte (zwei Schritte mehr und mir wären meine Beine abgefallen). Quer durch die Stadt, hinauf zu Sacré-Coeur. Ich kann diesen Touristen-Hotspots immer weniger abgewinnen. Diese endlosen Menschenschlangen, die für irgendein Foto anstehen, das es im Internet in der exakt selben Perspektive schon tausend Mal gibt. Trotzdem war ich dort. Ich hab das Karussell gesucht, mit dem meine beste Freundin und ich gefahren sind, vor zehn Jahren. Und es steht noch da. Genauso bunt und romantisch und märchenhaft wie damals.

Karussell bei Sacré-Coeur in Montmatre
Das Vintage-Karussell bei Sacré-Coeur

Ich hab mich auf eine Bank davor gesetzt und den Kinder dabei zugesehen, wie sie in den kitschigen Kutschen und auf den farbenfrohen Pferden saßen. Die meisten haben irgendwelche Laute von sich gegeben. Aus Freude, Unbehagen und manchmal aus irgendeiner undefinierbaren Emotion heraus. Manche hatten schon vor der Abfahrt den Spaß ihres Lebens. Manche brauchten ein paar Runden, um herauszufinden, dass das, was sie gerade taten, eigentlich ganz lustig war. Und andere ließen sich weder von guten Zurufen der Eltern noch von den lachenden Gesichtern um sie herum überzeugen.

Schon komisch … Das Leben hat ein bisschen was von einem Karussell, oder? Menschen steigen zu und steigen aus und ob man darüber froh ist oder traurig – es dreht sich immer weiter. Und irgendwie ist es ein beruhigendes Gefühl, weil man weiß, dass nichts für immer bleibt. Und irgendwie ist es ein beklemmendes Gefühl, ,weil man weiß, dass nichts für immer bleibt.

Auch komisch übrigens: Ich hab schon wieder Hunger. Obwohl ich gerade erst gegessen habe.

Hier noch fünf Tipps fürs Paris:

Rue Caulaincourt in Montmatre: Ein hippes Bistro neben dem anderen. Dazwischen die eine oder andere süße Boutique.

Flohmarkt an der Porte de Clignancourt: Hier findet man vor allem Schmuck, Wohnaccessoires und Bilder.

Le Petit Moulin: Eine winzige Weinbar mit ausgezeichnetem Essen und einer guten Auswahl an Getränken. Verwenden ausschließlich lokale Produkte.

La Passage Jouffroy: Eine überdachte Passage mit kleinen, urigen Läden.

The Vintage Kilo Shop: 2nd Mode zu fairen Preisen.

Spazieren in Paris

Ein Kommentar

  1. echt schön geschrieben, und mal was anders als deine anderen blogs, ich denke aber schon das menschen auch für immer bleiben und mit einem mit fahren im karusell.

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