Herz an Herz, Teil 2

„Möchtest du dir Popcorn teilen?“, fragt er mich.
„Klar! Ich will alles mit dir teilen. Das Popcorn, mein Bett, mein Leben“, würde ich am liebsten sagen. „Klar“, sage ich und bin ein bisschen enttäuscht, als er nur ,Mittel‘ und nicht ,Jumbo‘ wählt.

Ha! Ein Kino-Date. Find ich gut. Weil man sich entspannt näher kommen kann und sich nicht über irgendeinen Tisch hängen muss beim Knutschen. Oder im Auto über die Gangschaltung. Oder bei der Eingangstür zum Wohnhaus und dann quetscht sich der Nachbar, der um die gleiche Zeit nach Hause kommt, an einem vorbei … Jedenfalls … Wir haben Plätze in der hintersten Reihe. Perfekt zum Knutschen. Yes!

Der Film geht los.

Anstatt mich auf die Szenen auf der Leinwand zu konzentrieren, schiele ich ständig auf seine Hand und warte auf den Moment, wo er den Arm um mich … Ah, jetzt!!! Jetzt, jetzt, jetzt! Er bewegt seine Hand langsam in meine Richtung. Oh Gott, es fühlt sich nach Zeitlupe an. Mach schneller! Er hebt die Hand, sie kommt näher … Ja, ja, tuuuu eeeeesss!!! Sie kommt noch näher … Shit, habe ich Mundgeruch? Verdammt, ich hätte kurz vor der Vorstellung noch einen Kaugummi essen sollen. Jetzt ist es zu spät. Ich darf mich jetzt keinen Millimeter mehr bewegen. Herr im Himmel, lass mich gut riechen!!! Überall!!!!! Und schreib uns die schönste Liebesgeschichte des Jahrhunderts!

Seine Hand schwebt über meinem Oberschenkel. Jetzt! Runter! Fallen lassen! Das ist gerade so aufregend wie bei diesen Greif-Automaten, wo man nach den Plüschtieren oder Fake-Rolex-Uhren grapscht. Ja, ja, jaaaaaa!!! Die Hand bewegt sich nach unten uuuuuuund er greift zielsicher in die Popcorn-Tüte, die ich am Schoß halte.
„Die könnten ein bisschen mehr Salz vertragen“, flüstert er mir schmatzend ins Ohr.
„Ich könnte einen Kuss vertragen“, denke ich mir und raune ein „Mmmh“ zurück.
„Du siehst heute übrigens blendend aus. Schwarz steht dir ausgezeichnet. Unterstreicht deinen Typ“, sagt er und ich bin wieder Feuer und Flamme.

Den restlichen Film über gähne ich circa 123 Mal und hoffe 123 Mal, dass er sowas sagt wie „Lehn dich doch an meiner Schulter an“.
Ich täusche 167 Mal vor, unbequem zu sitzen und hoffe 167 Mal, dass er sowas sagt wie „Lehn dich doch an meiner Schulter an“.
Ich spitze meine Lippen 678 Mal und hoffe 678 Mal, dass er sich zu mir rüber beugt und mich küsst.

Und dann, als der Film vorbei ist …

Bereit!? Also, gut! Als der Abspann läuft und die meisten Kinogäste schon dabei sind, den Saal zu verlassen … Da, in den Moment …

Ja, tut mir leid, da ist nichts passiert … Zero. Niente. Nada. Tote Hose. Aber hey, der Film, den wir gesehen haben, war zumindest ganz gut.

Übrigens: Mein Kino-Date ist schwul. Und mittlerweile ein sehr, sehr guter Freund von mir. Es ist eine der schönsten Liebesgeschichten meines Lebens, wenn ihr mich fragt … #loveislove

2 Kommentare

  1. Ohhh Kathi das ist genial und fieß, und ja so ein date was du da beschrieben hast kann echt was, das mit dem unbequemen sitzen und lippen spitzen ist der klassiker😂🤣

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