Das Trauma meiner Kindheit …

Jeder Mensch erlebt Momente im Leben, in denen er nicht „Juhu“ oder „Zugabe“ schreit. Manchmal fängt das sehr früh an. In der Kindheit. Und wenn man diese Erlebnisse nicht aufarbeitet, holen sie einen immer wieder ein, bis man sich den belastenden Bildern im Kopf stellt. Ging mir so an diesem Wochenende in einem Grazer Einkaufscenter.
Eine Mutter mit zwei Kindern kommt mir entgegen. Das Mädchen war etwa sieben Jahre und hatte ein Kleidchen in hellblau an. Der Bub war um die fünf und trug einen Karate-Anzug. Und da war sie wieder … Diese eine ganz bestimmte Kindheitserinnerung holte mich ohne jegliche Vorwarnung ein!

Ich sehe mich als sechsjähriges Mädchen in der Fürstenfelder Stadthalle. Mit weißblondem Pony und einer Zahnlücke, durch die man einen Skoda Fabia hätte schieben können. So stehe ich da in Reih und Glied mit etwa 15 anderen, etwa gleichaltrigen Kindern. Wir alle tragen einen weißen, unbequemen Karate-Anzug samt weißem Gürtel. Heute ist ein wichtiger Tag. Heute entscheidet sich, ob man in die nächste Stufe aufsteigt und den gelben Gürtel bekommt. Dieser Tag wird meine komplette Kindheit verändern. In ein paar Minuten würde ich zur Mini-Version von Jackie Chan mutieren. Wie aufregend!!!

„HAAAAA!“

Je zwei Kinder müssen vor den Karate-Meister treten und das Erlernte vorführen. Ich bin mit meiner damals besten Freundin dran. „Ichi“, schreit der Trainer. Heißt eins. Meine Freundin und ich steigen mit dem rechten Fuß nach vorne und reißen unsere rechten Arme vor unsere Köpfe. „Ni“, heißt zwei. Wir steigen mit links nach vorne und reißen die linken Arme vor die Köpfe. Bei jeder Bewegung müssen wir „HAAAAA!“ rufen. Oder „HUUUUU!“ oder so. Ganz genau erinnere ich mich nicht mehr. Irgendeinen Laut muss man dabei jedenfalls von sich geben. Zum Abschrecken der Gegner!? Keine Ahnung …

Ja, was red ich da jetzt auch ewig herum. Also bitte, hier mein großes Trauma meiner Kindheit: Ich hab’s nicht geschafft. Ich bin durch diese blöde Prüfung gefallen. Als einzige. Weil ich zu wenig laut geschrieen hab beim Ausführen der komischen A***loch-Übungen.  Da war zu wenig Elan oder sonst was. Hawi, ich war sechs Jahre alt. #!@?!&$! sechs Jahre!!

„Kann’s ja auch nicht sein. Man sollte Kindern den Spaß an Bewegung vermitteln, sie fördern und nicht gleich eiskalt demoralisieren, nur weil so ein Zwerg sich nicht traut, die ganze Halle zusammenzubrüllen“, red ich mich in Rage, als ich mit meiner Mama darüber spreche.
„Geb ich dir vollkommen Recht … Naja, aber dann bist du zum Ballett gegangen. Und die Frau Majcen war so eine liebe Frau. Die hatte für jeden eine Rolle bei den Aufführungen.“
Kurze Pause.
„Auch für die Untalentierten …“

Ein Kommentar

  1. …Die Frau majcen die den ganzen Tag für all ihre Gäste die ihrer Kinder Apfelstrudel gebacken hat immer und immer … naja dann is mir klar … du hättest auf seine innere Stimme hören sollen u goar nix von beidem („Karate-kid“ „Ballettratte“) werden / sein sollen – gut dass du Dächer deinen eigenen Weg gegangen bist…
    alles liebe
    Ulli
    http://www.ullismulticoloredlittleworld.com

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