„Puh, das ist mir echt zu intim …“

Schon komisch, worauf das Hirn alles kommt, während man tiefenentspannt an einem griechischen Strand liegt und den Blick übers Meer schweifen lässt.

Also ich habe mich zum Beispiel gefragt, wer eigentlich den Bikini erfunden hat. Google sagt, es war der Franzose Louis Réard, gelernter Mechaniker. Na bitte. Wieder was dazu gelernt.

Dann habe ich mir überlegt, wie viel Geld ich auf Ägina mit einer eigenen Pistazienplantage machen könnte. Das ist die Nationalnuss hier, wenn man so will. Sind Pistazien eigentlich Nüsse? Moment … Google sagt, es sind Steinfrüchte. Naja. Wer Pistazien jedenfalls nicht mag, ist auf der Insel irgendwie arm dran. Hier gibt’s nämlich sogar Nutella aus Pistazien. Keine Ahnung, ob’s schmeckt. Ich hab’s noch nicht probiert. Werde ich aber nachholen. Ich muss ja wissen, zu was meine Pistazien später verarbeitet werden … Brauch übrigens auch noch einen Namen für mein Unternehmen. Nur falls euch einer einfallen sollte …

Und dann ist mir, …

… als ich eine dieser Pistazien genauer angeschaut habe, ein Typ eingefallen, mit dem ich vor Jahren mal was am Laufen hatte. Weil sein Kopf ähnlich oval war wie die Schale der Nuss, ähm, Steinfrucht.

Es war so ein unverbindliches Dingsbums zwischen uns. Mehr Bums als Dings. Und ich glaube, er dachte, „unverbindlich“ sei ein Synonym für „egoistisch“, hat’s deshalb so genannt und hat nicht gewusst, dass das eine mit dem anderen wenig zu tun hat. Ups! War nämlich so: Er hat angesagt, wann wir uns getroffen haben. Weil er war Musiker und musste drei Mal die Woche je vier Stunden in drei verschiedenen Bars Saxophon spielen. Seine Unterhosen musste er zwischendurch auch waschen und einmal im Monat war er in seiner Vierer-WG mit Toilette und Bad putzen dran. Zwischendurch soll einen noch die Muse küssen, weil das ist so als Künstler. Aber was rede ich? Ich hab keine Ahnung. Ich geh ja nicht arbeiten, weil bei mir wächst das Geld auf meinen Orchideen daheim und ich hab Unterhosen, die sich von allein reinigen und ich läute immer bei meinem Nachbarn an, wenn ich aufs Klo muss.

Eines Abends kam er wieder bei mir vorbei. Rambazamba. Hulapalu. So mit nackt. Und aufeinander. Und ineinander. Und alles von dem anderen aus jedem erdenklichen und den ungünstigsten Blickwinkel sehen … Und … Na, wie man’s halt so macht.

Er blieb bis am Morgen …

Ich: „Und, was hast du heute vor?“
Er: „Werde später schwimmen gehen.“
Ich: „Wo gehst hin?“
Er: „Alte Donau.“
Ich: „Oh, das klingt fein. Können ja zusammen gehen.“

Stille. Schweigen. Schockstarre. Wie in „Frozen“ wandern kleine Eiskristalle die Wände empor und verwandeln mein gemütliches Schlafzimmer in eine karge Eishöhle. Er starrt mit weit aufgerissenen Augen geradeaus, atmet schwer. Seine Unterlippe zittert. Es tut mir leid, ihn so zu sehen.
„Alles okay?“, frage ich und streiche ihm besorgt über den Rücken.
Er zuckt zusammen, reagiert aber nicht weiter.
Ich hake nach: „Hey, geht’s dir gut? Kann ich was tun für dich? Soll ich dir ein Glas Wasser bringen?“
Langsam kommt wieder Farbe in sein Gesicht.
„Du, du meinst das bestimmt nicht so, aber gemeinsam schwimmen gehen … Hey … Also wie soll ich sagen!? Puh … Das ist mir echt zu intim …“

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