Wie der Handwerker meinen Kühlschrank & meine Seele reparierte …

Es gibt Momente, die würde ich nicht gerade zu meinen Sternstunden zählen. Diesen hier zum Beispiel …

Kurze Vorab-Info, damit die Story auch verständlich ist: Mein alter Kühlschrank war kaputt, mein Vermieter hat einen neuen für mich besorgt. Soweit, so gut. Einziges Problem: Das neue Teil hat Geräusche gemacht, als wäre eine Baby-Katze im Gemüsefach eingezwickt und würde um ihr Leben winseln. Es war so penetrant und einfach dauernd da, sodass es echt an meinen Nerven gezehrt hat.

Deswegen habe ich die Service-Hotline des Herstellers angerufen.

Erstes Telefonat.

„Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?“
„Ich habe einen neuen Kühlschrank daheim und der macht kranke Geräusche.“ 
„Welche denn?“
„Laute. Penetrante.“
„Können Sie die vielleicht mal nachmachen?“
„Iiiiiiieeeehhh. Iiiiiiiieeeeehhh. So in der Art.“ 
„Aha.“
„Kriegt er genug Luft hinten?“
„Schieben Sie ihn mal von der Wand weg.“
„Das geht nicht. Er ist in einen Schrank eingebaut.“
„Achso, na dann ist ja klar, dass er so Geräusche macht. Wenn sie ihn in einem Küchenschrank abstellen. Da haben wir schon das Problem.“
„Auf der Rechnung steht, es ist ein Einbaukühlschrank.“
„Na, stellen Sie ihn mal kurz auf den Boden.“
„Es ist ein Einbaukühlschrank …“
„Ich bin kein Handwerker. Dann weiß ich jetzt auch nicht …“

Zweites Telefonat.

„Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?“
„Ich habe einen neuen Kühlschrank daheim und der macht kranke Geräusche. Ihr Kollege konnte mir nicht weiterhelfen, hoffentlich können Sie was für mich tun.“
„Nennen Sie mir mal den Hersteller, bitte.“
„Blablabla.“
„Moment, ich verbinde Sie …“

Ich fasse die nächsten sechs Telefonate in einem Satz zusammen: Alle verwiesen mich weiter, niemand konnte mir effektiv helfen.

Achtes Telefonat.

„Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?“
„Ich weiß nicht, ob das überhaupt jemand kann“, zischte ich leicht aufgebracht.
Betroffenes Schweigen.
„Niemand versteht mich. Niemand fühlt sich für mich zuständig. Wissen Sie, ich bin es gewohnt, allein zu leben, darum geht es nicht. Ich bin unabhängig und kann mich selbstständig um meine Sachen kümmern. Aber alles kann ich einfach nicht können. Brauchen Sie denn nie Unterstützung bei irgendetwas?“
An dieser Stelle kullerten erste Tränen über meine Wangen.
Der Typ am anderen Ende der Leitung hauchte zwei Mal leise „hm“ ins Telefon.

„Und da fragt man um Hilfe und wird nur von einer Stelle zur nächsten weitergereicht. Was glauben Sie, wie es mir geht, wenn Ihr Kollege zu mir, einer alleinlebenden Single-Frau sagt, ich soll man schnell den Kühlschrank aus dem Küchenkasten heben!? Haben Sie eine Ahnung, wie ohnmächtig ich mich in diesem Moment gefühlt habe? Wie klein, hilflos und allein ich mich gefühlt habe? Haben Sie eine Ahnung???“
„Ich kann’s mir vorstellen …“

Jetzt weinte ich ins Telefon. Hörbar. Gut hörbar … Sehr laut. Ich schluchzte extrem laut ins Handy.
„Ich mag mein Leben, wissen Sie“, winselte ich dezent hysterisch, „Im Moment mag ich es sogar sehr, sehr, sehr. Es läuft alles so super. Aber manchmal wird auch mir alles zu viel. Da hätte ich auch gerne eine starke Schulter, an die ich mich lehnen kann. Eine Brust, auf die ich mich legen kann. Jemand, der mir ein bisschen was von den Hürden des Alltags abnimmt. Jemand, der sagt: ,Komm, lass mich das für dich machen.‘ Jemand, der mir die Haare aus dem Abfluss holt und zum Supermarkt springt, weil das Klopapier aus ist.“

Tja, was soll ich sagen!? … Kann vorkommen … Und hat zumindest hat mein kleiner Nervenzusammenbruch gefruchtet. Er hat mir jemanden gecheckt, der noch am selben Tag vorbeigekommen ist, um sich den Kühlschrank anzuschauen. Das Gerät funktioniert allerdings noch immer nicht. Sie müssen einen Kälteeingriff machen, hat der Handwerker gesagt. Dabei wird irgendeine Flüssigkeit getauscht oder so. Dauert mindestens zwei Stunden, hat der Handwerker gesagt. Und ist mit viel Lärm verbunden. Aber das wird schon, hat der Handwerker gesagt. Und mir dabei aufmunternd auf die Schulter geklopft: „Wir kriegen das hin. Ich bin da. Nur nicht aufgeben. Immer nach vorne schauen. Probleme sind da, um gelöst zu werden. Alles wird gut. Aaaaalles wird gut …“

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