Als ich am Cape Point beinahe inneren Frieden gespürt habe …

Cape Point. Etwa 60 Kilometer im Südwesten von Kapstadt. Unser erstes Ausflugsziel. Hm. Stimmt nicht ganz. Am Abend unserer Ankunft waren wir im Pokoloko, Lolopoko, Pololoko oder wie auch immer es heißt. Eine Bar direkt am Strand, der Hotspot für Surferboys, die irgendwie alle gleich aussehen: Knackig, braungebrannt und schulterlange, blonde Haare. Momentan ist hier sowieso viel los, weil vom ersten bis zum 16. Februar das Red Bull-Event „King of the Air“ stattfindet.

Wir haben uns hier mit Freunden von M. getroffen, keine Surfer. Sie leben eigentlich in Deutschland, verbringen im Winter aber drei, vier Monate hier in Kapstadt. Sie können sich’s leisten, weil sie zuhause irgendwelche große Unternehmen haben, die ziemlich viel Gewinn abwerfen. Wie auch immer. Einer von ihnen hat seinen 53. Geburtstag hier gefeiert. Es gab Wein, Bier und viele Runden Tequila. Letzteres habe ich wohlweislich ausgelassen, weil ich davon immer sehr weinerlich werde. Keine Ahnung, wieso … Zu einer Runde Jägermeister ließ ich mich dann aber überreden. Ist auf alle Fälle eine nette Location, weil man vom Lokal aufs Meer hinaussieht, wo hunderte Kitesurfer übers Wasser jagen und ihre bunten Schirme im Wind tanzen. Die Stimmung ist locker und entspannt.

Also ist Cape Point quasi unser zweites Ausflugsziel. Am Weg dorthin haben wir einen Zwischenstopp eingelegt in der Gegend von Hout Bay, wo man mit einem betagten Seelöwen, dem ein Zahn fehlt und dessen Augen ungustiös tränen, Fotos machen kann. Ein Bild kostet 10 Rand. Wenn man dunkelhäutig ist. Weiße zahlen mehr. Semi-spektakulär.

Ich atme tief ein und ich atme tief … 

Cape Point hingegen ist der reinste Wahnsinn. Man spaziert etwa 30 Minuten zu einem Leuchtturm hinauf, der als Aussichtsplattform dient. Am Weg dorthin begegnet man Pavianen, deren leuchtend rote Hinterteile mich ziemlich irritieren. Ich habe außerdem auf Elefanten oder Giraffen gehofft, aber ja, Affen sind auch okay … Habe ich zwar in meinem Alltag in Wien auch genügend um mich (muahahaha), aber gut, lässt sich trotzdem unter „wildlife“ verbuchen.

Oben angekommen bleibt mir der Atem weg. Erstens, weil es der Anstieg in der Hitze doch in sich hatte und zweitens weil der Ausblick dort echt eine Sensation ist. Der Wind pfeift mir um die Ohren, während ich auf das Kap der guten Hoffnung sehe und alle schlechten Gedanken in den Weiten des Meeres verloren gehen. In meiner Brust entsteht ein Gefühl von Freiheit und unglaublicher Ruhe. Ich schließe die Augen, versuche, den Moment komplett in mir aufzusaugen und den innerlichen Frieden, der mich überkommt, zu konservieren. Wie schön das Leben doch sein kann! Alle sist wunderbar. Alles ist herrlich. Ich will eins mit der Natur hier werden und mir wird einmal mehr bewusst, wie wichtig es ist, unsere Erde so gut es geht zu schützen. Ich atme tief ein und ich atme tief … Klatsch! Eine Möwe hat mir auf die linke Schulter geschissen.

Naja.

Ich ergänze an dieser Stelle meine Aussage im letzten Post, wo ich von Susi Safer und ihrer Lebenseinstellung geschrieben habe: „Weil ich durch sie das Gefühl bekommen habe, dass blöde Situationen nicht einfach nur blöd sein müssen, sondern auch ziemlich viel Potential für Schönes in sich tragen können. Außer man steigt mit neuen Sneakers in Hundescheiße ODER MAN WIRD VON MÖWEN ANGEKACKT. Das ist dann einfach nur zach …“

Ah, eigentlich wollte ich ja von der Sache mit der Polizei erzählen. Egal. Mache ich das nächste Mal.

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