Was nie passieren wird. Meine Anti-Bucket-List

Ich finde, ich brauche eine Bucket-List. Ja, ich weiß, ich bin hinten nach mit dem Trend, aber dafür hab ich zum Beispiel schon immer gerne Reis mit Fisch und Gemüse gegessen. Demnach bin ich quasi eine Bowl-Pioneerin. Und ich liebe es nicht erst seit dem Waldbaden-Hype, in der Natur spazieren zu gehen. Gleicht sich also wieder aus … Außerdem muss man sich nicht immer sofort auf jeden Trend einlassen. Kann man auch erst mal auf sich wirken lassen. Oder für sich abwandeln. Oder auslassen.

Jedenfalls: Ich brauch eine Liste, auf der steht, was ich in diesem Leben noch machen, erreichen und erleben will. Problem: Wenn ich mir überlege, was da alles auf meinen To-Do-Plan kommen soll, fallen mir in erster Linie Dinge ein, die ich nie, in diesem Leben und auch im nächsten nicht, machen werde! Wenn man so will:

meine Anti-Bucket-List

Na gut. Warum nicht. Dann eben nach dem Ausschlussverfahren:

Einen Imker heiraten. Wird mir nicht passieren. Geht nicht. Ich weiß nicht, woher diese panische Angst kommt, aber ich schaff’s einfach nicht, die Ruhe zu bewahren, wenn mich eine Biene oder Wespe attackiert. Oder sich mir nähert. Oder 300 Meter weit weg von mir Blütenstaub sammelt. Größtes Horror-Szenario: Er will mir Antrag machen, versucht dabei, besonders originell zu sein und beauftragt seine Horde, mit dem Ring auf mich zuzufliegen und mir ein Ständchen zu summen. Hab Gänsehaut, während ich das hier schreibe. P.S.: Soooo weit hergeholt ist das mit dem Ring an der Biene nicht. Es gibt Leute, die bezahlen Aquarienputzer dafür, einen Wisch mit „Willst du mich heiraten?“ gegen die saubere Scheibe zu halten, während Fische, Wale, Aale, Rochen und was weiß ich alles für Meerestiere um die Neopren-Typen herum schwimmen und sich ihren Teil denken müssen … Bringt mich zum nächsten Punkt!

Mit Haien oder Walen schnorcheln. Ich liebe das Meer und irgendwie mag ich auch die Vorstellung, ein paar Tempi zwischen diesen Giganten zu schwimmen. Ehrfurcht, Demut, Ekstase und Glückseligkeit vereinen sich in der Brust zu einem unglaublichen Gefühl der Lebendigkeit. Wäre da noch diese klitzekleine Sache mit dem Überleben. Was, wenn der Wal – und es muss nicht mal absichtlich sein, vielleicht vor lauter Euphorie, weil so ein kleines Menschlein seine Nähe sucht – einem mit seiner Flosse eins drüberzieht. Gibt ein Video, wo ein Buckelwal mit einem Taucher einklatscht. Süß! Aber wehe, er klatscht daneben – na danke … Und unter den Tieren wird’s auch welche geben, die weniger geschickt sind als andere. Oder schlechter sehen – und einen mit Plankton verwechseln. Moby Dick 2.0.

Im Heißluftballon fliegen. Ich hab unfassbare Höhenangst, die eigentlich schon einsetzt, wenn ich in meiner Altbauwohnung eine Glühbirne wechseln oder die Vorhänge zum Waschen abhängen muss. Dieses „Du musst dich deiner Angst stellen und wenn du das erst einmal geschafft hast, wirst du dich unglaublich stolz auf dich sein“. Bin ich auch, wenn ich es geschafft habe, in meinem Kleiderschrank mal wieder Ordnung zu schaffen. Oder eine der Brutalo-Workout-Stunden mit Jackson überlebe. Deshalb: Dieses tolle Gefühl von Freiheit und Abenteuer wird wohl an mir vorüberziehen. Gilt auch für Bungee Jumping, Fallschirmspringen und das Herumkraxeln in Klettergärten – schreibe ich alles auf meine Anti-Bucket-List und lasse ich alles aus.

Diät halten. Das Leben ist definitiv zu kurz, um auf Pizza, Pasta, Cheesecake und die vielen anderen Köstlichkeiten, die es gibt, zu verzichten. Und wegen der drei Kilo mehr oder weniger ist es auch schon wurscht …

Im Sommer nach New York reisen. Vorweg: Ich hab die Zeit im Big Apple geliebt. Nur: Ich war im Juli dort. Deshalb weiß ich, dass ich niemals wieder im Sommer hinfahren werde. Wenn man Pech hat, erwarten einen dort nämlich gefühlt 765 Grad. Die Geschäfte wiederum sind auf minus 345 Grad heruntergekühlt, sodass der Körper schockgefriert, wenn man einen der Shops betritt. Kaum wieder draußen trifft einen der Hitzeschlag. Zu allem Überfluss bin ich dann auch noch ein Stück mit einer nicht klimatisierten U-Bahn gefahren. Zuerst hab ich mich noch gefreut, weil ich Klimaanlagen absolut nicht mag. Die Wahrheit ist: Ich hasse die Dinger, weil ich sofort krank werde. Sobald sich jemand auch nur in die Nähe des Einschaltknopfes bewegt, fängt’s in meinem Hals schon zu kratzen an. Und nein, das ist keine Einbildung. Als die nicht klimatisierte U-Bahn allerdings für 45 Minuten stecken blieb, hab ich kurz verflucht, dass ich mich zwei Sekunden davor noch über die Nicht-Existenz der Klimaanlage gefreut hatte. Einziger Wermutstropfen: Ich saß mit einem echt guten Musiker im Waggon, der sowas wie ein Gratis-Konzert lieferte.

Ebooks lesen. Über einen E-Reader kann man keinen Rotwein oder Kaffee verschütten (also kann man natürlich schon, aber dann kann man das Gerät kübeln) und entsteht auch keine Patina aus einer Mischung von Salzwasserluft, Badewannendunst und Schokofingern. Ich würde never ever Bücher gegen E-Books tauschen. Never ever.

Den Mount Everest besteigen. Ist nicht so, dass ich’s nicht gern machen würde. Wäre fix eine tolle Geschichte und ein spannendes Erlebnis, kommt trotzdem auf meine Anti-Bucket-List, denn dafür fehlt mir einfach der Biss. Schade, aber naja. Man muss realistisch bleiben.

3 Kommentare

  1. nette Geschichten was du alles so nicht tun willst, kommt da ein teil zwei mit dingen die du tun willst?

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  2. Tolle Idee, einmal eine Anti-Bucket-List zu schreiben! Vielleicht greife ich das einmal auf. Andererseits: Man soll niemals nie sagen! Denn vielleicht schaffst du es trotzdem mal in einen Heißluftballon. Das ist nämlich wirklich toll. Kleiner Nebeneffekt: Man wird danach in den Adelsstand erhoben. Ich bin zum Beispiel eine Prinzessin von Richen. Dazu gab es Sektchen.
    Also, bevor du einen Imker heiratest oder mit Walen schwimmst (würde ich auch nicht tun) …
    LG
    Sabienes

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  3. Was für ein wunderbarer Artikel, Frau Domiter! Faszinierend, so eine Anti-Bucket-List. Wenn Sie sich ersparen nach New York zu reisen, ersparen Sie sich auch, ein ESTA beantragen zu müssen und sich in dem Antrag von den US-Behörden, denen Datenschutz ein Fremdwort ist, das Hemd vom Leib fragen lassen zu müssen.

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