Ich würd dich gerne so richtig *tüüüüüüt*

„Hey Kathi, ich find dich echt scharf. Ich würd mich bei dir mal gerne gehen lassen und dich so richtig *tüüüüüüt* und dich *tüüüüüüüt*. Und du *tüüüüüüüt* … *tüüüüüüttüüüüüttüüüüüüüüüüüüüüüüt*“

Das war eine Nachricht, die vor ein paar Monaten in meinem Instagram-Postfach gelandet ist. Inklusive Foto. Nicht vom Gesicht. Weiß nicht … Ganz versteh ich nicht, was man davon hat, wenn man per Zufallsgenerator irgendjemandem ein Bild von seinem Gemächt schickt. Hat irgendwie was von Vierjährigen, die ihr Geschlecht gerade für sich entdeckt haben. „Schau, Victoria, ich hab ein Spatzi …“ Zack, Hose unten … Gut, das sind Kinder, aber ein erwachsener Mann!? Naja, wenn er meint …

Zeitsprung.

Vor drei Wochen steh ich mit einer Freundin an einer Bar. Wir trinken Gin Tonic, plaudern, lachen, schießen Selfies – wie man das halt so macht, wenn man unterwegs ist. Irgendwann bemerke ich einen Mann, der mich anschaut. Als sich unsere Blicke treffen, lächle ich. Hmm, ja, ein ganz adretter Typ eigentlich. Groß, schlank, braunhaarig, volles Haar. Er lächelt zurück. Schöne Zähne hat er auch, was ich auf die Distanz hin so erkennen kann … Nur nicht zu lange hinschauen …

Ich widme mich wieder den Erzählungen meiner Freundin über ihre neu entdeckte Liebe zu Yoga. Sollte ich vielleicht echt auch mal probieren. Sie sagt, seit sie es macht, schläft sie besser und ist innerlich ausgeglichener. Irgendwie ist der Hype um den herabschauenden Hund bislang an mir vorbeigezogen. Ich hab gehört, es gibt mittlerweile ja sogar Yoga zu HipHop-Beats. Zumindest in New York. Hab kurz gegoogelt: In Hamburg auch. Ich mag beide Städte. Aber egal, darum geht’s gerade nicht …

„Du weißt schon …“

Wo waren wir? Aja, der Typ an der Bar! Also, er steht da in einer Runde mit drei Kumpels, schaut noch ein paar Mal zu mir rüber, prostet mir aus der Ferne zu und irgendwann kommt er her …

„Kathi, oder?“, sagt er.
„Ähm, ja, kennen wir uns!?“, sage ich und bin dezent irritiert, weil mir sein Gesicht null bekannt vorkommt.
„Ich hab dir mal auf Instagram geschrieben …“
„Ja!?“
„Du weißt schon …“
„Nein!?“
„Na, ich bin der, der …“
„Ja?“
„Na, du weißt schon …“
„Nein?“
„Der, der mit dir …“
„Ja?“
„Ich hab dir geschrieben und ein Foto geschickt.“
„Sorry, klickt gerade nicht bei mir … Welches Foto!?“
„Na, das wo …“
„Ja?“
„Wo man was gesehen hat …“
„Hä?“
„Na, du weißt schon …“

Wow, was zur Hölle stimmt mit dem nicht, denke ich mir und plötzlich schießt es mir ein! Das ist doch … „Du bist der Typ, der mich gerne *tüüüüüüüt* und dann *tüüüüüüüt* würde. Und ich soll *tüüüüüüüt* …“. Der Kellner an der Bar zuckt bei jedem zweiten Wort zusammen. Meine Freundin auch.

„Genau“, sagt er und lächelt verlegen.
„Du, ähm …“
„Ja?“
„Naja, …“
„Hm?“ Hoffnung schwingt in seiner Stimme mit.
„Also …“
„Ja?“
„Nein, danke!“

Ein Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.