Kaputter Kopf vs. kaputte Waage

Irgendwie ist so gut wie alles im Leben nur eine Frage der Einstellung. Und die Richtung von einem einzigen Gedanken macht dabei unglaublich viel aus. So wie bei der Sache mit der Waage …

Also wenn man ein paar Jahre lang im selben Fitnessstudio eingeschrieben ist und einigermaßen regelmäßig hin geht zu ähnlich Uhrzeiten und an ähnlichen Tagen, kennt man irgendwann die Gesichter der Leute, die ebenfalls einigermaßen regelmäßig zu ähnlich Uhrzeiten und an ähnlichen Tagen dort trainieren.

Da ist zum Beispiel das eine Fitness-Paar, das immer zusammen kommt, im Partner-Look gekleidet ist und alle Übungen gemeinsam macht. Zuerst eine Runde (elendige!!!!!!!) Burpees, dann Liegestütz, dann Sit-Ups, dann Kniebeugen, dann Beinpresse … Manchmal streiten sie. Worüber weiß ich nicht, weil sie Kroatisch sprechen. Aber wenn sie im Clinch liegen, trainieren sie an verschiedenen Geräten und brüllen einander durch den ganzen Raum zu. Vermute es sind Vorwürfe oder Schimpfwörter. Einmal hat sie sogar geweint. Aber sie hat ihr Programm trotzdem knallhart durchgezogen und unter Tränen ihren Gluteus Maximus gestählt. So stelle ich mir ein Victoria Secret-Bootcamp vor: Ja nicht aufhören, ehe man nicht mit den Po-Muskeln Walnüsse knacken kann … Gemma, gemma, gemma!

Jedenfalls: Manche der Leute grüßt man, andere ignoriert man und mit manchen plaudert man immer wieder nach dem Sport in der Sauna. Dort bin ich letztens mit einer ins Gespräch über Körperwaagen gekommen.

„Du hast abgenommen, gell?!“, fragt sie mich.
„Ja, ein bisschen. Hab mich nicht mehr so wohl gefühlt. Und mein Lieblingskleid hat mir auch nicht mehr gepasst … Du aber auch, oder?!“
„Ja, total! Sechs, sieben Kilo werden’s schon sein. Wobei das mit dem Wiegen ist ja immer so eine Sache … Warst du schon mal auf der Waage hier?“
„Nein …“
„Dann tu dir einen Gefallen und stell dich auch ja nie drauf!“
„Wieso denn nicht?“
„Da hat man automatisch vier Kilo mehr als sonst!!!“
„Aha“, sage ich und versinke in Gedanken: Ich bin also schwerer, als ich bislang angenommen habe. Das heißt, ich muss noch mehr abnehmen, um so viel zu wiegen wie jetzt. Und dabei hab ich die letzten Wochen eh schon so gut wie nie genascht und auf Alkohol hab ich auch so gut wie komplett verzichtet. Oh Gott, wenn ich jetzt auch noch Dinner Cancelling machen oder komplett auf Kohlehydrate verzichten muss … Pack ich nicht! Geht nicht! Halt ich nicht aus! Und während ich mental in Hysterie verfalle, sagt sie beiläufig: „Du, lass mich nicht vergessen, dass ich später denen an der Rezeption sage, dass die Waage hier kaputt ist …“

P.S.: Plus oder minus vier Kilo – von der Zahl auf der Waage sollten wir unser Glück und Wohlbefinden sowieso nicht abhängig machen. Auch nicht von der Größe in Kleideretiketten, von Cellulite, Wohlstandsbäuchlein, irgendwelchen Busenformen oder Dehnungsstreifen. Das nur so nebenbei! 😉

Ein Kommentar

  1. Egal was die waage sagt, man muss sich wohlfühlen und sich selbst mögen, und eine frau mit bit bisserl was auf den hüften sind die sympathischeren und haben mehr herz.

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