Meine begründete (!) Angst vorm Lift fahren

Hab nur ich das?! Jedes Mal, wenn die Tür zu einem Lift aufgeht, bin ich irgendwie nervös und angespannt. Ja, ich könnte die Treppen nehmen. Dafür bin ich meistens aber zu faul, weshalb ich’s dann lieber in Kauf nehme, dass manchmal sogar meine Hände leicht zu schwitzen anfangen, wenn sich die Aufzugstür bewegt. Ich habe nämlich eine große Angst: Dass sich der Lift öffnet und sich mir ein unangenehmes Szenario offenbart. Dass da zum Beispiel jemand da liegt. Tot. Herzstillstand. Oder noch schlimmer: Umgebracht. Oder dass ein Mörder mit einer Axt drinnen steht und mich dann auch ums Eck bringt, damit ich nicht die Polizei rufen kann … Wie Herzblatt halt, nur umgekehrt.

Dabei hab ich eigentlich nichts gegen Lifte. Im Gegenteil. Ein Mal bin ich in einem Aufzug stecken geblieben. Das war allerdings ziemlich weit weg von tot. Ich war damals 15 und im Lift eines türkischen All Inclusive Clubs gefangen. Zusammen mit einem Animateur von dort. Django. Django mit einem 2 Pac-Bandana ums Hirn und einem Spinnennetz am linken Ellbogen. „Dauert noch bisschen, aber holen wir raus euch!“, rief der Hoteldirektor aufgeregt und in gebrochenen Deutsch ins Notfalltelefon, „Halbe Stunde sowas.“ – „Keine Stress, uns geht gut“, antwortete Django, ebenfalls in gebrochenem Deutsch, und zwinkerte mir zu. Meine Hormone hyperventilierten.

„Tu es, tu es, tu es“, flehte ich innerlich und er tat es: Der wilde Django beugte seine braun gebrannte, muskulöse Statur über mich und küsste mich. Er fummelte an meinem Hintern herum, was ich aber nicht wirklich genießen konnte, weil ich die ganze Zeit damit beschäftigt war, meinen Po anzuspannen – und zwar genauso so viel, dass er sich fest, aber nicht unnatürlich anfühlte. Gleichzeitig betete ich innerlich, dass sie uns bis zum nächsten Tag nicht rausholen würden. 15 Minuten später waren wir befreit. Was ich damit sagen will: Ich hab echt keine Ahnung, woher die Paranoia kommt.

… in dem Moment stieg mir ein Hauch von Leichengeruch in die Nase …

So und letztens ist es aber tatsächlich passiert. Ich bin von der Arbeit heimgekommen, hab den Aufzug gerufen und gewartet, bis der Lift vom vierten Stock bei mir unten war. Ich hatte schon so ein komisches Gefühl … Die Tür ging auf und ich habe meinen Nachbarn gesehen. Ich blickte in ein absolut entsetztes Gesicht und als wäre ein Killer hinter ihm her rannte er panisch aus dem Lift an mir vorbei. Ich bilde mir ein, in dem Moment stieg mir ein Hauch von Leichengeruch in die Nase …

Wurden etwa gerade meine schlimmsten Befürchtungen wahr? War der Psychopath noch im Haus? Oder war vielleicht mein Nachbar der Mörder!???? Und würde mich oben im Stiegenhaus ein Massaker erwarten????? Sollte ich die Polizei rufen oder erst mal selbst nachschauen, wie groß das Ausmaß der Tragödie nun tatsächlich war??? „Komm, Kathi, beruhig dich! Du schaffst das! Du bist mutig. Du bist eine starke Frau!Du steigst jetzt da in den Lift ein und fährst hoch. Durchatmen, Ruhe bewahren“, sagte ich zu mir selbst, stieg ein und atmete durch. Großer Fehler!!! Riesengroßer Fehler!!!! Ja, bist du deppat!!!! Okay … Jetzt wusste ich auch, warum mein Nachbar fluchtartig das Weite gesucht hatte und woher der Wind wehte. Oder soll ich sagen: Die Blähungen … Hatte er doch tatsächlich einen fahren lassen … (Aber was für einen! Halleluja!) 

 

10 Kommentare

  1. Haha leider geil, der gute alte schaß im Lift 😂🤣😅, aber kann es sein das du zu viele Horrorfilme schaust🤷‍♂️

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  2. Hahaha, ja diese Art von Düften kenn ich nur zu gut im Lift. Kann mir dein Gesicht jetzt bildlich vorstellen, während der Fahrt. Sei froh, dass der Lift nicht stecken geblieben ist. Herrliche Story

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  3. Warum sind in den meisten Aufzüge Spiegel? Weil damit nachweisslich weniger Schäden angerichtet werden. Man Keiner will sich im Spiegel beobachten wenn er randaliert. Leider hat noch keiner was gegen unsichtbare Gase erfunden.

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