Wie man auf einer Hausparty Smalltalk führt … Oder so …

Schon als Studentin konnte ich mit Hauspartys nie wirklich was anfangen. Die, wo neben der Eingangstür 50 Paar abgetragene Sneakers und Ballerinas durcheinander liegen und ab zwei Uhr in der Früh auch ein paar Alkleichen – fix auch mit Loch in den Socken – unter dem Schuh-Massaker. Wo jeder irgendwen mitnimmt und man am Ende nicht mal mehr weiß, wessen Wohnung das ist und wer die Hausparty überhaupt organisiert hat. Diese Art von Hausparty, wo es ein Paar auf der Waschmaschine treibt und ein anderes auf dem Balkon und weshalb die Raucher im Wohnzimmer rauchen müssen und auf den Boden äschern und ihre Tschick in der Erde des halb verdorrten Gummibaums ausdämpfen. Wo alle anderen Billig-Wodka mitbringen, aber deinen teuren Wein saufen, den du nur deshalb mitgenommen hast, weil dir deine Eltern ein Leben lang eingetrichtert haben, wie wichtig es ist, tolle Gastgeschenke mitzubringen … Bei so einer Hausparty war ich am Wochenende.

Ich hab mich eh sehr unauffällig verhalten! Ich bin da gesessen, hab an einer Dose Bier genippt und hab jeden angelächelt, der sich bei mir vorgestellt hat – nicht zu euphorisch, damit das Händeschütteln nicht in Smalltalk übergehen würde, aber so freundlich, dass man mir keine Unhöflichkeit vorwerfen konnte. Einer hat sich trotzdem zu mir gesetzt. Einander anschweigen ist dann aber auch nicht meins. Deshalb …

„In Wahrheit ist es Scheiße.“

Ich: „Und, was machst du beruflich?“
Er: „Was mit Arschbakterien.“
Ich: „Bitte wie?!“ (Hab zu diesem Zeitpunkt noch an Akustik-Probleme geglaubt …) 
Er: „Mein Job ist Scheiße.“
Ich: „Wie bitte?!“
Er: „Ich bin Mikrobiologe und hab mich auf Darmbakterien spezialisiert.“
Ich: „Spannend.“
Er: „Hab mit viel Scheiße zu tun.“
Ich (lächle verstört): „Aja.“
Er: „Bei Vorträgen sprechen wir von Umweltproben, aber in Wahrheit ist es Scheiße.“
Ich (lächle noch verstörter): „Okay.“
Er: „Andere machen metaphorisch viel Scheiße durch. Ich wirklich …“
Ich: „Hab’s mittlerweile verstanden.“
Er: „Wenn man forscht, braucht man viele Proben. Am einfachsten ist es, wenn ich meine eigenen nehmen …“
Ich (frage mich, ob das nicht doch mehr Fetisch als Job ist): „Wow …“
Er (mit sehr erwartungsvollem Blick): „Hab aber zur Sicherheit immer ein paar Röhrchen dabei, falls jemand so nett ist und …“
Ich: „Nein, bin definitiv kein netter Mensch.“
Er: „Scheiße.“ Er klatscht mit beiden Händen auf seine Oberschenkel, wippt mit seinem Oberkörper hysterisch vor und zurück und lacht laut auf. Ich lächle noch immer verstört.

Schweigen.

Er: „Nimmst du Drogen?“

 

 

Ein Kommentar

  1. …diese Person hat ein schweres Schicksal mit der Berufswahl zu tragen…aber jetzt wissen alle das man nicht so einfach an „Umweltproben“ ran kommt…

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