Ja, das bin auch ich … 

Ich hab gerade drei Stunden durch geheult. Meine Nase ist rot und geschwollen, die Mascara hängt mir am Kinn und ich frag mich, wieso sie wasserfest drauf schreiben, wenn sie dann einem Tränen-Tsunami nicht standhält … Ja, auch das bin ich …

Einer meiner Ex-Typen sagte mal zu mir: „Du bist Journalistin. Ich dachte, das hältst du aus.“ Er meinte damit sein Arschloch-Verhalten … Er wirkte ziemlich überrascht, dass es nicht so war. Nein, ich steh nicht immer drüber. Nein, ich lache nicht immer alles weg. Ich finde auch nicht alles lustig, bin nicht immer optimistisch und fröhlich. Ich bin nicht Alfred Jodocus Kwak. Und auch nicht entfernt verwandt mit ihm.

Manchmal fühl ich mich sogar ziemlich klein und hilflos und überfordert mit dem, was das Leben an manchen Tagen für mich bereit hält. Mir fehlt die Orientierung, der Halt und ich bin einfach nur müde vom mich im Kreis drehen, vom Weitermachen. Und von den Menschen, die unvermittelt in meinem Leben auftauchen und glauben, ich entertaine ihre Sorgen weg. Weil ich bin ja lustig. Wie ein Animateur am Kreuzfahrtschiff. Zicke-zacke, zicke-zacke! Wenn sie draufkommen, dass das nicht immer so ist, schleichen sie sich wieder.

„Glaubst du, auf das hier hab ich grad Lust? Ich mag das nicht, wenn’s anstrengend ist“, weil ich einmal in zwei Monaten nicht so gut drauf war und nicht alles mit mir allein ausmachen wollte. Die Konsequenz: „Ich bin nicht bereit für das. Ich glaube, es ist besser, wir hören uns nicht mehr.“ Manchmal find ich alles extrem unfair. Manchmal bin ich traurig und lieg ich die halbe Nacht wach im Bett, weil ich mich kränke. Manchmal fühle ich mich einsam, wertlos und allein. Ja, auch das bin ich.

Manchmal schau ich in den Spiegel und mir blicken leere, abgekämpfte Augen entgegen. Und ich will ihnen zulächeln und Kraft schenken, aber dazu fehlt mir die Energie. Ich will die Person im Spiegel am liebsten umarmen, ihr sagen, „alles wird gut“ und gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich wirklich daran glaub. Am nächsten Tag steh ich auf und tu so, als wär nix, obwohl jeder Schritt Probleme bereitet. Es fehlt der Schwung, der mich von Augenblick zu Augenblick bewegt. Alles ist mühsam und beschwerlich. Manchmal bricht es aus mir heraus und ich greife hysterisch nach vertrauten Händen, an denen ich mich festkrallen kann. Manchmal hab ich Angst. Vor dem, was morgen kommt und vor schlechten Gefühlen. Manchmal bin ich unglaublich unsicher. Und ich frage mich, ob es da draußen irgendjemanden gibt, der mich wirklich sieht. Ja, auch das bin ich …

3 Kommentare

  1. Danke, danke, danke für diese ehrlichen und treffenden Worte!

    Ich erkenne mich selber in jedem dieser Sätze wieder, hätte das aber nie so gut beschreiben können.

    Zusammenfassend möchte ich einfach nur sagen, dass in unserem Zeitalter der „starken Frauen“ es uns trotzdem auch erlaubt sein sollte, Schwäche und Emotion zu zeigen – nicht nur den Männern…

    In diesem Sinne,
    liebe Grüße, Gabrielle

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  2. ich erkenne mich in deinen sätzen wieder.
    ja, nicht immer ist man die immer gut gelaunte und fröhliche person. manchmal will man sich einfach nur verkriechen doch es geht nicht.
    du bist toll!!

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  3. Schöne ehrliche worte kathi, leider hast du recht wenn man dich und die storys so sieht vergisst man leider zu schnell das auch du auch nur ein mensch bist, und ja ich gehörte auch zu den menschen die das vergessen haben, vielen dank für diesen blog und ich bewundere ich jetzt noch mehr als vorher, und ja jede frau darf auch schwach sein und genau solche frauen sind aber die stärkeren

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