Nacktbaden. Oder: Als ich fast von einem Hai gefressen wurde …

„Wir sind freiiiiii!“, kreischt Christina.
„Wooooheewwww“ kreische ich, atme tief ein und tauche im Wasser unter. Wir sind allein hier. Völlig allein. Keine Menschenseele außer uns beiden. Durch Zufall haben wir diesen einsamen Strandabschnitt gefunden. Der Sand ist warm und weiß, das Wasser türkis und klar. Karibik-Flair auf Mallorca. So idyllisch! Es fühlt sich herrlich an. Wir lassen uns beide auf dem Rücken im Meer treiben und von den leichten Wellen sanft hin und her wiegen.

„Wenn’s uns mal nicht gut geht, müssen wir an den Moment hier denken“, sagt meine Freundin in einem pathetischen Tonfall und schwimmt mit geschlossenen Augen auf dem Rücken übers Wasser, „Es fühlt sich alles so leicht und unbeschwert an gerade. Dieses Gefühl müssen wir verinnerlichen und mitnehmen. Und wenn der Alltag …“
„Alter, und wie geil ist es, ohne Oberteil zu schwimmen?“, unterbreche ich ihren philosophischen Monolog.
Christina lacht und verschluckt sich dabei an einer Ladung Salzwasser, das direkt in ihren Mund schwappt. „Hast du das davor noch nie gemacht?“, hustet sie ungläubig. Nein, hab ich noch nie. Ich war mit 31 zum ersten Mal auf einem Festival und jetzt mit 32 schwimme ich oben ohne. Ja, für ein paar Sachen brauche ich eben länger. Na und!? Christina winkt mir mit einem Stoffteil zu. Sie hat ihre Badehose ausgezogen und wickelt sie um ihr Handgelenk.

Runter mit der Hose …

„Das ist noch viel besser! Los, mach!“
„Na, ich weiß nicht!“
„Es ist niemand da! Mach schon!!“
„Okay“, denke ich mir und lasse mich dazu hinreißen, komplett blank zu ziehen. Ich wickle wie Christina meine Badehose um meinen Arm und schwimme ein paar Tempi. Naja, ich weiß nicht … Mit Hose hab ich mich irgendwie wohler gefühlt. Aber vielleicht ist’s einfach nur komisch an, weil ich’s nicht kenne. Kann auch sein. „Raus aus der Komfortzone“, sage ich mir, schwimme noch ein paar Tempi weiter in Richtung Horizont und versuche, verkrampft zu entspannen …

Plötzlich entdecke ich unter mir einen dunklen Schatten im sonst so hellen Wasser.
WAS
ZUR
HÖLLE
IST
DAS?
Christina ist schon längst viel weiter draußen. Das kann kein Hai sein. Oder?!? Komm, Kathi, beruhig dich! Werd jetzt nicht lächerlich. Shit, was, wenn es doch ein Hai ist??? „Hai-Alarm an der Küste Mallorcas“ – den Link hatten mir mehrere Freundin vor zwei Tagen geschickt. Mit lieben Botschaften wie „War schön, dich gekannt zu haben“ und „Schick mir ein Selfie von dir und dem Fisch“.

Ja, super! Fix ist das der verdammte Hai! Was nun? Ich will nicht sterben. Noch nicht. Und nicht nackt!!!! Noch schlimmer: Was, wenn er mir einfach nur ein Bein abbeißt und sie mich dann ohne Bikini aus dem Wasser ziehen und zig spanische Fernsehteams anrücken und mich filmen, wie ich ohne Textilien im Sand ums Überleben kämpfen? Nein! No way! Ich muss die Hose wieder anziehen! Und zwar schnell. Und noch schneller muss ich aus dem Wasser raus. Ich schiele auf den Schatten unter mir. Er bewegt sich. Er bewegt sich auf mich zu. Nichts wie weg!  Auf Christina kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen. Sorry! Aber der Scheiß Fisch hat es ja eh auf mich abgesehen … Danke aber auch – für nichts!

Kathi, du schaffst das!

Ich wurstle meine Badehose vom Handgelenk runter und an meinen Beinen hoch. Dann schwimme ich in Richtung Strand. Ich versuche, mich langsam und unaufgeregt zu bewegen. Der Schatten verfolgt mich. Shit! Er hat mich längst entdeckt und gleich hat er mich. Okay … Ich kriege Panik und fange an, ungestüm ins Wasser zu schlagen. Wenn ich Glück hab, erwische ich sein Auge, bevor er zubeißt. Vielleicht kann ich so Schlimmeres verhindern. Ich kraule weiter. Komm, Kathi, du schaffst das. Du überlebst das!!

Tjaaaaa … Auch wenn es viele von euch überraschen wird: Es ist nichts passiert. Der Schatten war mein eigener … Und ich bin draufgekommen, dass ich im Ernstfall vielleicht keine gaaaaanz so gute Freundin bin …

Übrigens hab ich letztens gehört, was bei einer Begegnung mit einem Hai tatsächlich zu tun ist (Ich hab das irgendwo im Fernsehen gesehen, „Galileo“ glaub ich und ich sag’s gleich, ich übernehme keine Verantwortung, wenn ihr euch im Ernstfall daran hält!): Am besten zieht man seine Badehose aus. Die Farben des Slips oder der Shorts könnten das Tier nämlich erst recht anlocken. Außerdem sollte man angeblich möglichst regungslos und senkrecht im Wasser verharren. In horizontaler Lage könnte der Hai einen nämlich mit einem Fisch und somit mit Futter verwechseln. Naja, jedenfalls: Alles richtig gemacht … Oder so 😉

Selfie am Strand

3 Kommentare

  1. Shit Happens! Ich dachte, da taucht ein gutgebauter Tiefseetaucher unter Dir auf und trägt Dich auf Händen ans Ufer.. Naja Hauptsache kein Hai und schlechtes Gewissen Deiner Freundin gegenüber brauchst Du keines zu haben. Bist Du doch ums Leben geschwommen um für sie Hilfe zu holen. Oder? Also alles gut, Ende gut.
    Happy Evening EvelinWakri

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