Unser erstes Mal … Bei IKEA …

Oh Gott, es ist ja so romantisch! Ich bin so unglaublich aufgeregt. Es ist unser erster gemeinsamer Ausflug zu IKEA! Ahhhhhhh!!!! Jetzt weiß ich: Das mit uns ist echt was Ernstes. Ein Besuch bei IKEA ist ein Meilenstein für jede Beziehung. Und ich musste ihn nicht mal dazu überreden. Er hat sofort Ja gesagt. Ah, ich bin unfassbar nervös!! Es schweißt zusammen, wenn man zusammen durch die Gänge spaziert und von einer gemeinsamen Zukunft träumt. Man lernt sich besser kennen, weil beide ihre Vorstellungen und Wünsche artikulieren. Es bindet einen noch mehr aneinander. Ich bin schon so gespannt, wo er uns in der Zukunft sieht.

„Ich freu mich ja so, dass wir hier sind!“, …

… rufe ich begeistert und trete euphorisch über die Schwelle des schwedischen Einrichtungshauses. Er tapst hintendrein, den Blick aufs Handy fixiert.
„Ohhh, ist das nicht toll!“, ich ziehe ihn am Ärmel seines Hemdes in das erste IKEA-Wohnzimmer.
„Hm“, grummelt er und stiert weiter auf sein Telefon.
„Komm, jetzt steck dein Handy ein. Schau mal, dieser Teppich!!!“
„Ich weiß nicht …“, zögert er, „Hat der nicht zu viele Farben?“
„Der macht sich perfekt auf einem dieser alten Fischgrätenböden. Stell dir dazu eine weiße, hohe Flügeltür vor …“
„Altbau ist eh ganz cool, aber Neubau fühlt sich irgendwie unbenutzter an.“
„Renovierter Altbau?“, frage ich zögerlich.
„Hm“, grummelt er. Ich deute es als ein Ja und schleppe ihn weiter in die Schlafzimmerabteilung.

„Ahhhh, ich liebe, liebe, liiiiieeeebe Betten mit verschnörkelten Kopfteilen. Dazu ein Himmel. Das hat so was Märchenhaftes. So mit Happy End und so.“
„Happy Ends mag ich auch“, lacht er versaut.
„Schweindl“, sage ich und boxe ihm in die Rippen.
„Na, was!? Weiße, enge Leggings ziehe ich nicht an und spiele Prinz für dich. Was brauchst du jetzt eigentlich?“
„Eine neue Klobürste.“
„Die findest du hier aber nicht. Lass uns weitergehen“, sagt er und zieht weiter.
„Bist du auf der Flucht, oder was? Man wird ja noch gustieren dürfen?“, rufe ich und eile ihm nach.

In der IKEA-Badezimmerabteilung …

… lade ich ihm einen Seifenspender auf: „Nimm mal, bitte.“
„Brauchst du oder willst du?“, fragt er.
Also bitte, was ist das für eine deppate Frage!? Dieser Aussage würdige ich jetzt echt keine Antwort. Sorry, aber als würde es darauf ankommen … Kostet 2,90 Euro oder so. Mit family card fix billiger. Ich meine, come on! Und außerdem arbeite ich für mein Geld!? Ich mach monatlich mindestens 40 Überstunden. Was will er überhaupt?! Ich bin eine freie, unabhängige Frau und kauf mir so viele Seifenspender wie ich möchte. Damit das klar ist!! Soll sich jetzt echt mal zusammenreißen. Geht gar nicht …

„Klobesen!“, murmelt er und küsst mich auf die Wange. Aha, hat er seinen Fehler scheinbar schon eingesehen …
„Ja, ja“, antworte ich schnippisch und fahre mit dem Gesicht weg von ihm.
Er grinst und busselt mich wieder ab.
„Wieso lachst du so blöd?“
„Weil du süß bist“, sagt er und legt dabei seinen Kopf zur Seite.

Okay, wenn er mich so ansieht, kann ich nicht böse auf ihn sein. Außerdem sind wir hier, um eine gute Zeit miteinander zu haben. Mmmmh … Diese Grübchen. Halleluja! Der liebe Gott hat sie ihm geschenkt, damit er alle Frauen auf der ganzen Welt um seinen Finger wickeln kann. Und wisst ihr was: Er ist mit mir hier. Mit miiihiiiir! Jawohl! Meins! Ich küsse ihn auf den Mund. Hinter ihm steht eine Frau in meinem Alter. Ich spüre ihren neidvollen Blick. Zurecht, girl, zurecht! Ich schupfe meine Haare lässig über die Schulter und marschiere selbstbewusst in Richtung Klobesen. Bamm, bamm, bamm! Wackel mit der Hüfte, Kathi, zeig der Alten, wer hier die Chefin ist. Ich drehe mich zu ihr um. Wo ist sie!? Oh, schon auf dem Weg in die nächste Abteilung …

Ich gehe zu Fuß heim!

„Da nimm“, sagt er und packt einen Klobesen in unseren Wagen.
„Ähm, Scherz, oder?“
„Es ist ein Klobesen. Und du hast gesagt, du brauchst einen Klobesen.“
„Ja, schon, aber der hat nur ein Teil. Ich brauch einen mit zwei Teilen.“
„Mit was?“
„Na, mit einem Randreiniger! Was sonst!?“
„Mit einem was?“
„Hey, verarscht du mich?“
„Was bitte ist ein Randreiniger?“
„Na, so ein Zusatzteil, mit dem man leicht den Klorand reinigen kann.“
„Verarscht DU mich?“
„Nein, ich steh eben nur auf saubere Toiletten. Sorry!“
„Willst du damit etwa sagen, ich wäre nicht sauber?! Ich pinkle sogar im Sitzen.“
Ein Paar mit zwei kleinen Kindern geht an uns vorbei. Die Frau lächelt gequält.
„Na super, musst du ihr sagen, was du mit deinem Spatz machst!?“
„Hängt es dich jetzt komplett aus?“
„Weißt du was, ich gehe zu Fuß heim.“
„Du willst zu Fuß von hier zurück nach Wien!? Auf der Tangente? Okay, du drehst grad echt durch. Beruhig dich, bitte! Ich lad dich auf ein IKEA-Hotdog ein. Aber bitte beruhig dich …“
„Ich beruhig mich, wenn ich mich beruhigen will. Okay? Außerdem hab ich trainierte Beine. So eine kleine Wanderung macht mir nichts aus. Im Gegenteil. Ich und mein Randreiniger-Klobesen gehen zu Fuß. Das hast du jetzt davon!“, sage ich und rausche ab.

Drei Minuten später in der Pflanzenabteilung … 

Ich begutachte gespielt konzentriert eine Efeutute. Ich lege meine Stirn in Falten, zupfe an den Blättern und schiele derweil immer in die Richtung, von der er gleich kommen sollte. Da ist er. Shit, verdammt, er sieht mich nicht. Er ist dabei, an mir vorbeizulaufen. Ich huste laut. Er blickt zu mir. Okay, hat geklappt. Ich tu so, als hätte ich ihn nicht gesehen und zupfe weiter an der Pflanze herum.
„Kathi, ich glaub, das war genug IKEA fürs Erste. Können wir jetzt bitte fahren?“, fragt er.

Ich atme tief durch. Warum bin ich immer so verdammt stur? Ich will nicht zu Fuß gehen. Das ist mir viel zu weit und außerdem will ich nicht wegen einem Klobesen streiten. Aber ich tu mir halt ein kliiiiitzekleines bisschen schwer damit, über meinen Schatten zu springen. Typisch Steinbock eben. Komm, Kathi, du stehst über den Dingen. Du bist eine erwachsene, vernünftige Frau. Ich reiße mich jetzt zusammen. Ich schaff das. Ich bin die Versöhnung in Person. Ich sage: „Ja, okay, wenn du unbedingt darauf bestehst … Aber bilde dir nichts drauf ein!“

5 Kommentare

  1. Ich habe definitiv die falschen frauen im leben kennen gelernt, so viel aktion hatte ich noch nie bei ikea.

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  2. jaja, die Pilgerfahrten nach St. IKEA…da werden alle Sünden abgebüßt 😉
    Super geschrieben und toller Blog, gratuliere – macht echt Spaß beim Lesen!

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  3. So geil, dieser Artikel, ich habe Tränen gelacht!!! Und irgendwie hatte ich mein nächstes Déjà-vu ….
    Bitte schreib ein Buch!

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