Meine Angst vor dem nackt schlafen

Boah, die Temperaturen der letzten Tage waren ja Wahnsinn! Also ich liiiiiebe den Sommer und ich liiiiebe es, wenn’s ordentlich heiß ist, aber das war sogar mir zu viel. Vor allem in meinem neuen Schlafzimmer. Ja alter Schwede – das heizt sich auf wie eine finnische Dampfsauna. Nachdem ich das letzte Jahrzehnt aber in einer Einzimmerwohnung gelebt habe und mein Schlafzimmer deshalb extrem feiere, weigere ich mich vehement, ins einigermaßen kühle Wohnzimmer auszuwandern. Lieber schwitze ich wie eine Wahnsinnige.

Das nächste große Problem in dieser Causa: Ich kann nicht ohne Pyjama schlafen. Also zumindest ohne langes Schlafshirt. Also nackt schlafen. Puh, allein bei der Vorstellung bekomme ich gleich den nächsten Schweißausbruch. Weil mir dazu sofort zwei Horrorszenarien einfallen.

Horrorszenario Nummer eins: Im Haus fängt es zu brennen an. Ich bin im dritten Stock, eigentlich im fünften, weil Mezzanin und Hochparterre noch dazukommen. Angenommen es brennt im ersten Stock so heftig, dass man nicht mehr durchs Stiegenhaus kommt. Dann muss ich in so ein deppertes Leintuch springen. Jetzt mal ehrlich: Sooooo einen kleinen Busen hab ich auch nicht … Den wirbelt es dann in alle Richtungen … Und unten angekommen muss ich auch noch aus der Mitte des Leintuchs runter auf die Straße klettern. Mach das mal grazil. Geht nicht!

Horrorszenario Nummer zwei: Ich lieg im Bett und jemand bricht in meine Wohnung ein. Während er sich an meinen Sachen im Wohnzimmer zu schaffen macht, muss ich nackt zu meinem Nachbarn rüber schleichen und ihn bitten, die Polizei zu rufen …

Einwurf: Beim Sex ist das übrigens was anderes. Da ist man (mindestens) zu zweit und das find ich dann wieder halb so schlimm. Mein Gewand behalt ich trotzdem immer in Reichweite. Sicher ist sicher … 

So, zurück zum Wesentlichen: Ängste besiegt man nur, indem man sich ihnen stellt. Also, los geht’s! Heute Nacht schlafe ich ohne Shirt. Ja, ich mach’s wirklich: Nackt schlafen. Echt, ich zieh’s durch. Ein bisschen nervös bin ich schon … Hihi. Aber ich mach’s! Jawohl! Tschaka!!!

Ist da jemand!?

Langsam anfangen und erst mal Probe liegen … Nach dem Duschen kuschle ich mich nackt ins Bett. Okay, ich lieg steif wie ein Brett da. Ich deck mich zu. Okay, das geht nicht. Viel zu heiß. Ich deck mich ab und starre an die Wand vor mir. Da war was! Kratzt jemand an meinem Schlüsselloch? Ich schleiche auf Zehenspitzen raus und schiele durch den Spion. Da ist niemand.

Am Weg zurück ins Schlafzimmer komm ich an meinem Ganzkörperspiegel vorbei. Ich bleib davor stehen. Hm, naja, geht eh, denk ich mir, leg meinen Kopf zur Seite und schau mich an. Das regelmäßige Sporteln zahlt sich langsam aus. Ich wippe mit meinen Füßen ein wenig auf und ab und beobachte dabei meinen Busen. Schaut gar nicht sooooo schlecht aus. ich wippe mit mehr Elan. Ich springe. Und jetzt g’scheit: Ich hüpfe so hoch ich kann. Quasi Ernstfall. WOW! Lieber Gott, bitte lass es nie, nie, nieeeee so weit kommen …

Es ist 22.50 Uhr. Ich muss jetzt echt schlafen. Morgen ist ein anstrengender Tag. Ich leg mich hin. Also prinzipiell find ich’s ja ziemlich chillig so ohne Klamotten. Wären da nicht diese Horrorfantasien in meinem Kopf. Okay, Kathi, die musst du ausblenden! Aber wie?! Meditation. Ich suche auf Youtube nach „Fantasiereise“. Ich klicke mich durch ein paar Videos. Den Typen mit der angenehmsten Stimme wähle ich aus.

Das Leben ist schön …

Ich schließe die Augen. „Lass alle negativen Gedanken los“, säuselt die Stimme aus dem Handy. „Ich lasse alle negativen Gedanken los“, spreche ich nach. „Alles ist gut“, säuselt er weiter. „Alles ist gut“, spreche ich nach. „Das Leben ist schön“, säuselt er. „Oh ja, das Leben ist schön“, sage ich laut und merke, wie ich mich tatsächlich mehr und mehr entspanne. „Mit jedem Atemzug lässt du mehr und mehr Sorgen los. Pfffffffff“, kommandiert er. „Pffffffff“, mache ich. „Kathi, um Himmels Willen, alles okay?“, fragt er. Woher kennt der Mann aus dem Video meinen Namen?! Okay, das ist nicht der Mann aus dem Video. Das ist … Oh, ah, er hat ja auch noch einen Schlüssel …

 

18 Kommentare

  1. Mit dem nackt schlafen habe ich überhaupt keine Probleme. Das habe ich mir von meinem Freund angeschaut. Aber ohne Decke geht gar nicht wegen der Schnaken. Du könntest dir ja einen Morgenmantel oder einen schönen Seidenkimono in der Nähe aufhängen für Notfälle. Liebe Grüße, Aletheia

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    1. Musste erst googeln, was Schnaken sind. Wieder was dazu gelernt :-))) Das mit dem Bademantel ist eine gute Idee! 🙂

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  2. Ach ich liebe deine Geschichten! 😍 Schon in der Woman sind mir deine Beiträge die liebsten 👍
    Mach weiter so und bleib genau so wie du bist!!!!
    Alles
    Liebe
    Lena

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  3. Haha, wie toll geschrieben! 😀 Komplett nackt schlafen kann ich aber auch nicht, zumindest die Unterwäsche muss anbleiben, man weiß ja wirklich nicht, wann man nachts mal aufspringen muss oder sonstiges 😉

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  4. Haha… ich hab mich da auch ein wenig. Mindestens mein Höschen brauch ich, aber keine Ahnung warum 😁

    Liebe Grüße, Stefanie*

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  5. Ein super Artikel, habe das ein oder andere Mal mit meiner bildlichen Vorstellung gelacht. Ich schlafe lieber nackt im Sommer als angezogen!

    Viele Grüße

    Andreas

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  6. Einen lustigen Artikel hast Du da geschrieben. Bist sympathisch!
    Ich habe damit keine Probleme nackt zu schlafen und habe auch nicht solche komischen Vorstellungen wie Du. Ist aber lustig zu lesen!

    Beruhigen sollte Dich: Bevor du ins Sprungtuch hüpfen musst, hast du noch ein zwei Minuten um dich anzuziehen. Bei einem Einbruch würde ich Dir beipflichten, aber sollte es mal soweit sein, was ich nicht hoffe, nimm Dir den Tipp mit dem Morgenmantel zu Herzen!

    Ansonsten kannst Du den Einbrecher noch mit dem Wippen ablenken und schnell selber die Polizei rufen?!

    LG

    Daniel

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  7. Ein Post der mich zum Schmunzeln gebracht hat. Ich schlafe nur nackt Sommer wie Winter, aber ich sollte das mal anhand deiner Ängste überdenken.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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  8. Ganz nackt geht bei mir auch nicht. Habe keine Horrorszenarien, aber ich finde eine Frau schaut attraktiver aus in einem Hauch etwas, als Nackt. Ich meine mein Freund schläft nackt, aber ich fühle mich besser, wenn ich nicht immer nackt rumrenne. Daher kann ich Dich schon verstehen 🙂 Aber vielleicht versuchst Du mal mit leichteren „Pyjamas“ im herrlich warmen Wien – wo es momentan Sommergewitter gibt 🙂

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  9. hihi…. mir geht es genau so!

    Ich muss was anhaben und ich kann auch nicht ohne Decke schlafen!

    Danke Dir für den tollen Bericht!

    Hab einen schönen Freitag!

    xoxo
    Jacqueline

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  10. Ich schlafe eigentlich immer nackt. Man vergisst das schon nicht, in irgend ein Stück Unterwäsche zu schlüpfen, wenn man nachts wegen Harndrang durch die WG tigert. Und wenn einer einfach in der Tür steht? Jo mei, ist noch nie passiert, aber wenn, dann wären ja mindestens zwei Leute peinlich berührt und ich sicher nicht ursächlich verantwortlich, schließlich wär ich ja nicht einfach reingeplatzt.

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  11. Witzigerweise kann ich NUR nackt vernünftig schlafen. Im Winter haue ich mir dafür vier Decken drüber 🙂 Also auch nicht so praktisch…

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