Die Sache mit dem Intervallfasten

„Die grüne Diät macht glücklich“, steht da. Klingt ja schon mal super. „Beinhaltet grünen Salat, Kräuter, Gemüse und Früchte“, lese ich weiter. Zählen grüne Gummibärchen und Haribo-Frösche eigentlich auch dazu? Weiter im Text: „Ernährung ohne Kohlenhydrate.“ Und wie soll sich das mit glücklich sein vereinbaren lassen!? Unmöglich. Den Scheiß mach ich fix nicht. Ich schließe das Web-Fenster und öffne ein Neues: „Sonoma Diät“, tippe ich bei Google ein. Davon hab ich mal in irgendeiner Illustrierten gelesen …

„Schlank wie Jennifer Aniston“, heißt’s. Na bitte! Funktioniert folgendermaßen: Man darf nur von Tellern essen, die maximal 18 cm (Frühstück) beziehungsweise 23 cm (Mittag & Abend) Durchmesser haben. Bei einer Schüssel darf nicht mehr als 475 ml Platz haben. Wart, ich schau gleich, ob mein Geschirr da mitmacht. Wo ist mein Maßband!? Ah, hab’s! Shit, meine Teller sind zu groß … Fällt diese Diät also auch weg …

Maßband Teller
27 cm sind zu lang, wenn man die Sonoma Diät machen will

Apropos Stars … Wie wär’s mit der Hollywood Diät!? Ich klicke mich durch die Beschreibungen. Man soll täglich maximal zwischen 600 und 800 Kalorien zu sich nehmen. Zur Orientierung: Ein Döner hat 762 kcal. Hm. Zucker, Fett und Salz tabu. Auf den Teller kommen vorwiegend exotische Früchte. In der ersten Wochen ist sowieso nur Obst erlaubt: Papayas, Mangos, Orangen, Ananas … Hm. Naja, ich kann’s ja mal probieren.

Zwei Tage später

Vergiss es!!!!!!!!!!!!!! Von der ganzen Rohkost habe ich  Magenweh und mein Bauch steht weg als wäre ich im siebten Monat schwanger. Geht gar nicht! Auswärts essen ist auch ein Ding der Unmöglichkeit. Beziehungsweise ist es mir peinlich, den Kellner zu fragen, ob er mir meine Papaya, die ich mitgebracht hab, aufschneiden kann. Ich schieb mir ein Stück Brot in den Mund, spüre in dem Moment, wo das Gebäck meine Zunge berührt, dass mein Körper endlich wieder Glückshormone produziert und überlege … Es muss doch irgendeine Möglichkeit geben, unkompliziert abzunehmen, ohne dabei seine Lebensfreude zu verlieren und sich vom sozialen Leben komplett ausklinken zu müssen!?

Irgendwas mit dem Insulinspiegel …

„Probiere es doch mal mit dem Intervallfasten“, empfiehlt mir mein Hausarzt. „Wäre auch nicht schlecht für dein Cholesterin“, meint er weiter und erklärt mir, warum es diese Art von Fasten senken kann. Ich kann’s nicht mehr genau wiedergeben, hat aber was mit dem Insulinspiegel und so zu tun. Weil der dauernd ansteigt, wenn man permanent isst und sei es nur ein Solettistangerl. Der Körper kommt so irgendwie gar nicht zur Ruhe. Klingt einleuchtend.

Dennoch bin ich skeptisch: „Ist das nicht das Zeugs, wo man einen Tag lang nichts isst?“, frage ich und finde heraus, dass es mehrere Abwandlungen vom Intervallfasten gibt. Die Light-Variante zum Beispiel sagt, dass man 16 Stunden fasten, dann was essen und dann in einem Zeitfenster von acht Stunden essen darf. Ideal wären maximal zwei Mahlzeiten, zwischen denen halt auch ein paar Stunden liegen, im optimalsten Fall eben acht Stunden.

Ich rechne: Wenn ich abends um acht das letzte Mal etwas esse, darf ich tags darauf um zwölf wieder. Wenn ich um sechs am Abend esse, darf ich um zehn am Vormittag wieder. Vier Uhr, acht Uhr. Man kann es sich nach seinem ganz persönlichen Rhythmus einteilen. Ist angeblich wurscht, auf welche Mahlzeit man verzichtet, Hauptsache das Kaloriendefizit passt (eh klar) und man isst nicht kurz vorm Schlafgehen. Ich glaub, mir fällt es am leichtesten, auf mein Frühstück zu verzichten. Mal schauen. Ich versuch es jedenfalls.

Drei Wochen später

Ich find’s echt okay. Anfangs war’s ein bisschen ungewohnt, das Frühstück auszulassen, aber das Abendessen wollte ich noch weniger einsparen. Und manchmal nervt’s mich, wenn ich Gusto hab und aber noch vier Stunden nichts essen soll. Manchmal hab ich dann auch schon starken Hunger. Dann nervt es natürlich noch mehr … Aber ich find’s eine wirklich humane Lösung im Vergleich zu anderen Diäten. Man ist immerhin weit davon entfernt, verzweifelt Wattebällchen in Honig zu tunken. Aber natürlich: Wer abnehmen möchte, muss verzichten … Hilft nix!

Gemüse Gesicht
Jetzt kommt mehr Gemüse auf den Tisch

Worauf ich neben den 16 und acht Stunden, die gefastet wird, noch achte: Ich esse immer meistens so oft es geht viel Gemüse, wenig Fett und viel Protein, weil ich wieder regelmäßig ins Fitnessstudio gehe. Außerdem verzichte ich auf Alkohol und Industriezucker (Fruchtzucker esse ich, alles andere wäre Folter!). Ich schwöre, ich kompensiere meinen Verzicht bei anderen mit extra viel Humor, damit mein Umfeld nicht sagen kann, ich wär asozial, weil ich keine Éclairs esse und kein Bier trinke.

Ist für mich auch sicher keine Dauerlösung, wobei – und ich als bekennende Naschkatze und Gin Tonic-Liebhaberin glaube ja selbst nicht, dass ich das jetzt sage – meinem Körper tut der Verzicht auf beides echt gut. Meine Haut ist schöner, ich fühl mich nicht mehr so träge und meine Cellulite wird kontinuierlich weniger. Zweiteres liegt sicher auch an meinen Fitnessübungen. Dass ich die so brav mache wiederum liegt vermutlich daran, dass ich mich fitter fühle. Scheiße …

Man muss beim Intervallfasten aber gar nicht zwingend auf Schoko, Gummibärchen und Cocktails verzichten. In Maßen ist’s nämlich okay. Aber klar ist natürlich auch: Je bewusster man sich ernährt, umso bessere Effekte erzielt man. Das Tolle: Mein Arzt hat gesagt, man darf gar nicht zu wenig essen, weil der Körper sonst den Stoffwechsel bremst. Vorgaben gibt es also eigentlich keine, außer die Zeit, die man einhalten sollte. Ich sitze trotzdem nicht mit Stoppuhr am Tisch. Wenn ich mich mit jemanden zum Essen verabrede und es ist eine Stunde vor Fastenende, zögere ich das auch nicht künstlich hinaus, indem ich über meine Waxing-Erfahrungen philosophiere, sondern esse einfach.

Meine Kleider passen wieder.

Wie viel ich an Gewicht schon abgenommen habe, weiß ich nicht. Nein, weiß ich ehrlich nicht. Ich hab keine Waage daheim. Aus mehreren Gründen … Ist ein anderes Thema. Ich sehe das immer an bestimmten Kleidungsstücken, wie’s um mein Gewicht steht. Ich habe eine Jeans, die ich mir schon viel zu eng gekauft habe. Na gut, die ist ein blödes Beispiel, weil ich fürchte, die werde ich nie im Leben anziehen können, ohne dass mein Hüftspeck im großen Stil drüberhängt … Aber meine Kleider, die mir nicht mehr gepasst haben, krieg ich jetzt wieder einigermaßen locker zu. Jawohl!!!! Wooohewww!!! Yeah!!!! Okay, ja, hab mich schon wieder im Griff. Sorry 😉

Rückenstrecker Übung Fitnessstudio
Sport mach ich mehrmals die Woche. Und es taugt mir total!

Jedenfalls: Das Intervallfasten reißt einen die Kilos nicht ratzfatz runter, sondern man verliert sie eher langsam und dafür langfristig. Und vor allem: Man büßt dabei (fast) nix an Lebensfreude ein. Deshalb: Ich mach noch weiter mit dem Intervallfasten. Mehr noch: Ich will versuchen, es zur Routine werden zu lassen. Gar nicht nur wegen dem Abnehmen oder um meine Figur zu halten, sondern auch, weil’s sich gut auf mein Wohlbefinden auswirkt. Allein mein Bauch ist flacher denn je und ich erklär’s mir damit, dass meine Verdauung zumindest ein paar Stunden am Tag tatsächlich zur Ruhe kommt, wenn ich mir nicht jeden Junk reinstopfe. Wenn ich dann was esse, kann sich meine Verdauung mit voller Kraft darauf stürzen, es zu verarbeiten.

Außerdem: Man lernt wieder zu genießen und überlegt sich viiiiiel bewusster, auf was man Lust hat. Vor dem Intervallfasten hab ich mir oft gedacht: „Mei, isst du halt noch eine Wurstsemmel, ist ja egal“. Und wenn ich dann Gusto drauf hatte, hab ich mir zwei Stunden später eben eine Portion Tortellini reingezogen. Und beides hat mir irgendwie gar nicht wirklich geschmeckt. Gegessen hab ich’s trotzdem. DAS sind leere Kalorien, find ich. Nicht ein Stück geile Schokotorte, von dem du noch deinen Enkeln erzählen wirst.

Irgendwas wollte ich jetzt noch sagen … Was war das!? Keine Ahnung, fällt mir jetzt nicht ein. Kann nicht so wichtig gewesen sein. Ahhhhh! Ich war letztens mit ein paar Beachvolleyballern trainieren, weil da gerade die WM in Wien war. Also wir haben uns kein Trainingsdate ausgemacht. Die waren zufällig im selben Gym wie ich und dann haben wir eben nebeneinander unsere Übungen gemacht. Währenddessen hab ich mir da noch ein paar Gedanken zu Gym-Shaming, Selbstbewusstsein und so Zeugs gemacht. Aber das wäre jetzt zu ausufernd. Erzähl ich euch das nächste Mal …

14 Kommentare

  1. Hallo!
    Ein ganz witziger Beitrag! 😂 Den Teller auszumessen, ist sogar mir als Ernährungstrainerin neu! Ich habe ja ständig mit Diäten zu tun und leider auch deren Auswirkungen 😊

    Alles Liebe! Nina

    http://www.lyty.at

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    1. Schräg oder. Vor allem: Dann leg ich keine zwei Schnitzel nebeneinander, sonder übereinander! 😉

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  2. Schöner Beitrag! Nicht so verbissen. Am 16:8-Fasten ist was dran. Frauen können sogar bis auf 14:10 runtergehen. Ich esse drei kräftige Mahlzeiten am Tag und komme gut klar.

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  3. voi guat gschriem ! Schad, dasd ka Instergram hast ! Alles Liebe nu !

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  4. mein Kompliment, deine Seite ist einfach toll , du hast so geschrieben wie dir der Mund gewachsen ist……geile scheisse ……Daumen hoch

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  5. Toller Beitrag von dir! Ich mach seit einem Jahr 16:8 und 18:6 Intervallfasten und hab 10 kg abgenommen. Was mir fast noch wichtiger ist: mein Arzt hat mir beim letzten Gesundheits-Check spaßhalber eine römische 1 gegeben :-): Alle Blutwerte haben sich seit der letzten Untersuchung vor 4 Jahren zum Positiven verändert. Ich bin 44 und war mein ganzes Leben lang nicht so fit wie jetzt und hab mich auch noch nie so wohl in meinem Körper gefühlt. Ich werde mich davor hüten, andere zu dieser Ernährungsform zu überreden – ich kann nur für mich sprechen: nach vielen gescheiterten Diäten, Frust und teilweiser Resignation hab ich jetzt endlich meinen Weg gefunden.
    Liebe Grüße und alles Gute weiterhin!

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  6. Hi, auch ich habe mit dem Intervallfasten angefangen und in 4Wochen 3kg abgenommen. Ich bin 63 Jahre alt und voll berufstätig. Mir macht die Fastenzeit von 16 Stunden überhaupt nichts aus. Das schöne an der Ernährung ist, dass man sich die Esszeiten nach hinten verlegen kann z.B. wenn man eingeladen ist. Grillabende, Kinobesuche mit Restaurantbesuch usw.. Hauptsache man hält sich an die 16 Stunden fasten. Allen weiterhin noch viel Erfolg.

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  7. Witziger Beitrag!
    Und ich gebe dir voll Recht! Intervallfasten ist viel humaner als die ganzen anderen Diäten! Den ewigen Magerquark konnte ich irgendwann nicht mehr sehen… 😉

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  8. …. ich sehe 16:8 nicht als Diät, sondern als generelle Essensumstellung.
    Hab nun nach 4 Wochen 2 kg abgenommen. Mein Bauch ist fast weg. Esse so zwischen 17:00 Uhr und 18:00 Uhr Abendbrot und erst am nächsten um 10:00 Uhr Frühstück. Viel Gemüse, wenig Fleisch. Was mir auffällt, ich habe kein Verlangen nach Süßem.
    Bewege mich mehr und schlafe besser. Wichtig für mich ist, dass ich eigentlich auf nichts verzichten muss

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  9. Hi, sehr interessanter Beitrag. Ich mache auch Intervallfasten und habe auch meine Intervallfasten Erfahrungen aufgeschrieben. Vielleicht nicht so gut wie du, aber es ist doch umfangreich ! Das tolle an Intervallfasten ist doch, dass man seine Gesundheit selbst in die gewünschte Richtung lenken kann. Man muss nicht Abnehmen damit, sondern andere Ziele verfolgen !

    Liebe Grüsse, Edi

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  10. Hallo, ich bin 55 Jahre alt und mache jetzt die dritte Woche Intervallfasten und habe 2 kg abgenommen. Ich esse das letzte mal um 15 Uhr nachmittags und dann wieder um 7 Uhr morgens. Ich habe keinerlei Hunger und wenn ich glaube doch etwas zu spüren, so trinke ich das einfach mit Wasser weg.
    Mein Arzt sagte bei meiner letzten Gesundenuntersuchung, ich muss auf meinen Zuckerhaushalt aufpassen, mein HbA1C ist grenzwertig. Ich kann nur bestätigen, seit ich 16 Stunden faste und 8 Stunden esse, sind meine Zuckerwerte (ich kann selber messen) so niedrig wie schon lang nicht mehr.
    Ausserdem fühle ich mich total wohl und meine Kreislaufprobleme, mit denen ich oft sehr zu kämpfen hatte, sind wie weggeblasen.
    Ich muss noch dazu sagen, dass ich in den 8 Stunden Essenszeit nur 1200 Kalorien zu mir nehme und ich Nahrungsmittel auswähle, welche viel Eiweiß enthalten.

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  11. Hi, ich hab mir gerade den Beitrag durchgelesen – echt der Hammer 🙂
    Ich starte heute mit dem Intervallfasten 16:8!
    Nach zwei Schwangerschaften und den daraus folgenden kurzen Nächten erhoffe ich mir einerseits an Gewicht zu verlieren und andererseits vitaler zu werden.
    Bewegung habe ich vorerst genug mit meinen zwei Mäusen.

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