Von Airbnb in den Frauenknast

Es gibt Dinge, die sollte man einfach nicht tun: Sich übermäßig mit Parfüm einsprühen zum Beispiel. Betrunken in Highheels die Stiegen runterlaufen (Bänderzerrung olé!), auf Rolltreppen links stehen, sich selbst dauernd gemeine Dinge sagen ooooooooder seinem Gastgeber auf Airbnb „Tasche“ schreiben.

Dann wird man nämlich wegen sexueller Belästigung gemeldet und die Schlichtungsstelle ermittelt gegen einen. Kein Spaß! Aber von Anfang an …

Andreas studiert seit ein paar Jahren in Amsterdam. Seitdem sehen wir uns selten. Viel zu selten. Deshalb der Plan: Eine Freundin und ich überraschen ihn zu seinem 29. Geburtstag mit einem Besuch. Wir weihen seinen Mitbewohner ein, der spielt mit und erzählt Andi, dass er ihn zum Essen einladen möchte. Perfekt!
Wir checken uns derweil einen Flug und eine Bleibe. Meine Freundin übernimmt das mit den Tickets, ich kümmere mich um Airbnb. Ich klicke mich durch die Angebote und finde nach etwa einer halben Stunde was Passendes, etwas außerhalb der Innenstadt: ein helles Appartement, circa 40 qm groß, geräumiges Schlafzimmer, nette Küche, mit Blick ins Grüne. Perfekt! Da schlage ich zu.

Zwei Tage später

Unser Flug geht um 19.10 Uhr. Wir sind gerade am Einchecken, kurz vor der Security-Kontrolle. Mein Handy piepst. Unser Gastgeber schreibt: „I will wait in the appartement to give you the keys, okay?!“ Ich antworte: „Great!“ Er wünscht uns „a safe trip“ und meint, dass ich mich melden soll, wenn wir gelandet sind.  Der Security-Mann winkt mich zu sich. Ich tippe noch schnell „Thanks“ ins Handy und stopfe meine Telefon dann in mein Handgepäck und lass mich scannen. Nach der Kontrolle fummle ich mein Handy wieder raus. Ich möchte nachschauen, welches Wetter wir in Amsterdam haben werden.

„Der Gastgeber hat Ihren Aufenthalt storniert“, lese ich auf meinem Display. Bitte was!? Das muss ein Missverständnis sein. Ich entsperre mein Telefon und logge mich auf Airbnb ein. „Ihr Gastgeber hat Sie wegen sexueller Belästigung gemeldet.“ Ich kapiere gar nichts mehr. Ich klicke mich in den Nachrichtenverlauf und sehe, dass statt meinem „Thanks“, das ich eigentlich abschicken wollte, „Tasche“ steht. War wohl die Autokorrektur. Aber was hat das bitte mit sexueller Belästigung zu tun!?

Während meine Freundin Kosmetika im Dutyfree-Shop probiert, schreibe ich ihm: „Did you really report me for sexual harassment!?“ Ein paar Minuten später schreibt er: „I am sorry but I really felt offended by you calling me a „Tasche“. This is so rude!“ Ähm … Aja … Ich hab jetzt keine Zeit, mich drum zu kümmern, in welcher Sprache „Tasche“ etwas Anzügliches bedeuten könnte. Ich muss uns ein Hotel checken. Und das heimlich, weil ich hab jetzt auch keinen Bock, mich lang und breit vor meiner Freundin zu erklären. Ich kenn sie ja. Sie würde vor Lachen niederbrechen.

Auf „Hotwire“ buche ich uns eine Bleibe am Wasser. „Kathi, kannst du dein Handy auch mal aus der Hand geben?“, ermahnt mich meine Freundin. „Muss nur noch schnell ein Mail schreiben für die Arbeit. Dann dreh ich’s ab“, verspreche ich und suche auf Airnbnb nach dem Kontaktformular. Ah, hier! „Liebe Leute von Airbnb, wurde heute wegen sexueller Belästigung gemeldet. Ich will nicht überheblich klingen, aber schaut euch mein Profilbild an und seins. Ich mein, … Hab jedenfalls schon bezahlt. Bekomme ich mein Geld zurück!?“

Bitte was!?

Wir gehen Richtung Boarding-Area. „Wo ist diese Wohnung nochmal?“, fragt mich meine Freundin. „Aja, ich hab uns was Neues gesucht.“ – „Hä?“ – „Ja, ich fand die Lage doch nicht so toll.“ – „Hä?“ – „Ja, gut, ich wurde auf Airbnb wegen sexueller Belästigung gemeldet.“ Verdammt, wieso kann ich nicht lügen!? Es ist wie eine Krankheit: Ich muss immer die Wahrheit sagen! Egal in was für eine unangenehme Situation es mich auch bringt. Schrecklich.

Meine Freundin starrt mich mit großen Augen an: „Bitte was!?“ Ich erzähle ihr die Geschichte und was hab ich gesagt!??? Sie macht sich dabei fast in die Hose vor Lachen. Ich wünsche, sie würde es wirklich tun, so schadenfroh wie sie ist. Was ist das denn für eine Art? Verlegen kralle ich mir das Handy und klicke durch meine Mails. Airbnb hat geantwortet. Sie bedauern den Vorfall, schreiben sie, haben alles geprüft, erklären mich für „unschuldig“ und sagen, dass sie mir das Geld rückerstatten. Ha, ich muss also nicht in den Frauenknast. Noch mal Glück gehabt …

P.S.: Mittlerweile hab ich’s in Hamburg auch mit Airbnb versucht. Dieses Mal hat es auch funktioniert. Ganz ohne irgendwelche Anklagen.

Airbnb Unterkunft
Das bin ich in meiner Airbnb-Bude in Hamburg

6 Kommentare

    1. Ach, muss man mit Humor nehmen! Ich glaub, „Tasche“ war nicht das Problem, viel mehr er 🤦‍♀️🙊😂

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      1. Hahaha Wahrscheinlich ja. 🤣🤣🤣
        Das könnte mir auch passieren. Bin auch so ein Schussel und guck oft nicht auf die Autokorrektur 🙈🙈🙈

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  1. Deine Überschrift ist fies.
    Zum Glück ist ja nochmal alles gut gegangen
    Oh ja die Autokorrektur,die hat bestimmt schon viel Ärger verursacht.
    Ich stelle mir gerade Dirty Talk mit „Tasche“ vor.
    Zum Wegschmeißen…
    Liebe Grüße, Aletheia

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  2. Haha oh Gott diese Geschichte ist wirklich der Hammer 😀 Im ersten Moment bestimmt alles andere als lustig, aber dafür danach umso lustiger <3
    Es gibt einfach so seltsame Menschen 😉
    Liebste Grüße und einen guten Start in die Woche.
    Sassi

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