Waxing, Teil 2 oder: Eh okay!

Was zieht man an, wenn man zum Waxing geht!? Moment, Moment. Ich google das schnell. Okay, lockere Kleidung. Rock mit Shirt, haut hin. Soll ich mir sicherheitshalber eine Schmerztablette einwerfen? Ist vielleicht etwas übertrieben … Einen Schluck Gin? So, ich bin spät dran. Ich hudle in den ersten Bezirk, wo Leila ihr Studio hat.

Jetzt bin ich zu früh. Das ist bei mir immer so: Daheim bekomm ich einen Stress, weil ich glaube, es geht sich alles nicht mehr rechtzeitig aus und dann bin ich überall die Erste. Gut, dann eben ein bisschen Schaufenster schauen. Hätte ich nicht doch eine Schmerztablette nehmen sollen!? Oh Mann! Schluss mit dem Blödsinn, es ist fünf vor acht, ich geh rein.

Leila empfängt mich freundlich. „Ich hab jemand anderen erwartet“, sagt sie und lächelt. „Bin die Neue, war noch nie beim Waxing“, sag ich, weil ich nicht weiß, was ich sonst sagen soll und setze mich zu ihr an den Schreibtisch, wo sie eine Kundenkarte für mich ausfüllt: Name, Telefonnummer und Wunschfrisur. „Ich dachte, Katja kommt. Sie ist eine Stammkundin von mir und fährt auf Urlaub. Hab ich mich vertan“, erzählt Leila und deutet auf ein kleines Zimmer, wo das Abenteuer gleich stattfinden soll: „Du kannst dich schon mal ausziehen“.

Geht schon peinlich los …

Es klingelt, sie geht raus, ich zieh meinen Rock runter, sie kommt retour, ich hab den Slip bei den Knien: „Katja hat doch um acht einen Termin. Du bist erst um neun dran.“ Geht schon los mit den unangenehmen Gefühlen. Ich steh da, die Unterhose halb unten und schau Leila mit großen Augen an. „Wart kurz“, meint sie und zieht die Tür für ein paar Sekunden hinter sich zu. „Passt alles, Katja wartet.“ Ja, es ist mir peinlich. Und dabei hat das mit dem Waxing noch nicht mal angefangen.

Selfie
Da war mir noch nach Posing. Keine 30 Sekunden später nicht mehr.

Während ich noch dabei bin, mich hinzulegen, pinselt Leila schon das warme Wachs auf mich. „Nicht so schnell“, sag ich, „Ich hab da noch ein paar Fragen. Zum Beispiel: Auf wie viel Schmerz muss ich mich einstellen?“ Leila klopft das Papier aufs Wachs. Ratsch! Sie lächelt mich an und waxt weiter. „WOW“, singe ich und atme durch. Ratsch! Atmen, atmen, atmen. Wenn das in dem Tempo weitergeht, hyperventiliere ich. Ratsch! Ratsch! Ratsch! Ich starre rauf zur Decke. Ich halte die Luft an. Das tut weh! Halleluja! Ratsch! Ratsch! Ratsch! Okay, ohne Geräusche geht das nicht: Ich stöhne gequält. „Und du reißt fix nicht mehr aus als du solltest?“, frage ich skeptisch. Leila lacht und macht unbeeindruckt weiter. Für sie ist das alles nichts Neues. Für mich und meine Vagina schon. Ich spüre richtig, wie diese mich im Moment verachtet.

Meine Intimzone pulsiert.

Etwa 20 Minuten später hab ich’s geschafft. Ich strecke alles von mir wie eine Flieger, die gerade von der Klatsche erwischt wurde, und atme erschöpft durch. Meine Intimzone pulsiert. Ich trau mich gar nicht hinzuschauen. Aber immerhin: Ich hab überlebt. Und der akute Schmerz lässt auch ziemlich bald nach. Liegt vielleicht daran, dass sich alles ein bisschen taub anfühlt. Also, ich glaub, die nächsten Tage sollte man da unten keine allzu große Party schmeißen … Katja!!! Ich hab ganz auf sie vergessen. Sie soll nicht noch länger warten müssen. Ich rolle mich von der Liege und steige in mein Gewand. „Bis in vier Wochen“, verabschiedet mich Leila.

Ah, da fällt mir noch was ein: „Hab gelesen, man darf nach dem Waxing keinen Sport machen. Wie lange nicht!?“ Leila winkt ab: „Ich würde mich heute nur nicht zu lange aufs Rad setzen, ansonsten kannst du alles machen.“ Verdammt, jetzt ist Waxing nicht mal für eine Ausrede gut …

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