Frühstück für Anfänger …

„Croissants, Honig, Orangensaft“, beauftragt er mich mit dem Frühstück für den nächsten Tag kurz vorm Einschlafen.
„Passt, hol ich dir morgen gerne! Und nach dem Frühstück kuscheln wir bis zu Mittag“, flüsterte ich, bussel ihn auf die Wange und dreh mich zur Seite. Ich mein, das können wir an dieser Stelle jetzt schon mal festhalten: Ich bin echt keine schlechte Partie. Nicht nur, dass ich extra für ihn das Bett frisch überzogen habe, obwohl die alte Wäsche erst vier Tage drauf war, jetzt hab ich ihm auch noch ein Frühstück versprochen. Aber gut, er Langschläfer, ich #teamfrühervogel. Fällt mir also auch keine Perle aus der Krone, wenn ich um halb neun kurz in den Supermarkt rüberspring und ein bisschen Essen einkaufe.

Der nächste Tag …

Um Punkt halb neun schleiche ich mich aus der Wohnung. Er schläft noch. Perfekt. So kann ich in Ruhe einkaufen, den Tisch herrichten, Kaffee kochen, leise die Tür zum Schlafzimmer aufmachen, bis ihm der Duft davon in die Nase steigt und ihn sanft weckt. Wir essen unser Frühstück, dann legen wir uns wieder ins Bett und bleiben bis zu Mittag drin liegen. Hach, wie romantisch! So sieht ein perfekter Samstag aus.

Im Supermarkt packe ich ein biiiiiiisschen mehr als geplant ein: Schinken, Käse, Gurke, Tomaten, Mozzarella, Avocado, Croissants, Mohnweckerl, Kornspitz, irgendein französischer Weichkäse, Mortadella, Joghurt, Lachs, Butter, Orangensaft, Melone, einen grünen Smoothie, Schnittlauch, Radieschen. „Ja, mei“, sage ich mir, während ich das Wagerl vor mich herschiebe, „Machen wir halt ein ausgiebiges Frühstück! Soll nix Schlimmeres passieren als dass uns drei Scheiben Schinken übrig bleiben …“ Und weil ich schon mal hier bin, lade ich auch noch Nudeln, Waschmittel und Wattepads ein.

„Macht dann 57,60 …“

An der Kassa brauche ich das ganze Förderband. Die Frau hinter mir wirkt leicht genervt, als ich meine Einkäufe auflege. Aber Entschuldigung, was kann ich dafür, dass sie langsamer war als ich mit dem Anstellen? Und so wenig hat sie leider auch nicht, dass ich sie vorlassen möchte. Außerdem möchte ich schnell heim, damit ich noch alles schön drapieren kann, bevor er aufwacht.
„Macht dann 57,60“, sagt der Kassier.
Ich lächle und öffne mein Geldbörsel. In dem Moment fällt mir ein, dass ich meine Bankomatkarte in der anderen Tasche habe. In der kleinen, mit der ich gestern Abend unterwegs war. Die, die so klein ist, dass meine Brieftasche darin keinen Platz hat und ich nur die Bankomatkarte reingepackt habe, weil ich kein Bargeld zur Hand hatte. Apropos Bargeld: Hab ich jetzt natürlich auch nicht mit.

PIN eingeben …

Ich fange innerlich zu hyperventilieren an. Ich habe keine Bankomatkarte mit UND kein Bargeld. Ahhhh!!! Aber meine Kreditkarte! Meine Rettung! Zum Glück!
„Mit Karte, bitte“, sage ich lässig und wedle mit dem Plastikteil hin und her.
„Geht schon“, sagt der Kassier leicht gestresst, weil hinter mir bereits sechs Kunden mit vollen Wagerln warten.

„PIN eingeben“, lese ich. Verdammt! Da war ja noch was. Als ich letztens meine neue Karte bekommen habe, stand dabei, dass die ab sofort nur mehr mit Zahlencode funktioniert. Shit, das hatte ich komplett vergessen … Der Code! – Wie lautete er noch mal? Irgendwas mit zwei. Oder war es drei? Oder war das der Code von meinem Handy? Ahhhhh! Handy!!! Dort hab ich ihn gespeichert. Ich fische in die Taschen meiner Jogginghose. Mist. Mein Handy hängt ja daheim am Ladekabel, weil ich keinen Akku mehr hatte. Okay, dann auf gut Glück: Ich tippe irgendeine Zahlenkombi in das Gerät, von der ich glaube, sie könnte richtig sein.

„Falscher PIN-Code“ spuckt es mir drei Sekunden später wieder aus.
Der Kassier schaut mich erwartungsvoll mit großen Augen an. Die Frau hinter mir räuspert sich gestresst. Der Mann hinter der Frau blickt nervös über ihre Schulter. Der Mann hinter dem Mann zischt: „Na Oida, muaß des sein? I hob net vorghobt, mei restlich’s Leb’n do zu vabring’n. Bitte gorsche!!“

„Ich weiß den PIN nicht“, gestehe ich kleinlaut und ziehe verlegen den Kopf ein. Beschämter Nachsatz: „Ich kann aber schnell daheim meine Bankomatkarte holen.“ Die Frau hinter mir seufzt. Dann seufzt der Mann hinter der Frau. Der Mann hinter dem Mann schreit: „Oida, tuat’s weida, es Gfrastsack’l, es bledn!“
„Wenn Sie den Einkauf bar bezahlen, wäre es super“, meint der Kassier leicht angespannt, „Weil sonst muss ich alles jetzt stornieren.“
„Sicher, ich zahle bar“, sage ich und schiebe das Wagerl zur Seite, „Bin in zwei Minuten wieder da.“

Wo ist der Honig!?

Ich laufe heim (sieben Minuten), schnappe mir die Bankomatkarte (zwei Sekunden). Kurzer Blick ins Schlafzimmer (drei Sekunden): Er ist nicht da. Kurzer Blick ins Wohnzimmer (drei Sekunden): Er sitzt auf der Couch.
„Endlich! Gibt’s jetzt Frühstück? Hab schon einen großen Hunger“, sagt er (drei Sekunden). Mit Kaffeeduft aufwecken kann ich mir jedenfalls schon mal abschminken. Hmpf. Dabei hab ich mir das so schön vorgestellt! Naja, aber mit den Honig-Croissants und dem O-Saft wird er ja hoffentlich mindestens eine genauso große Freude haben.
„Bin in einer Minute wieder da“, sage ich und rausche ab (zwei Sekunden).
Ich komme zurück, um ihm ein Bussi zu geben (sechs Sekunden).
Er hält mich kurz fest und gibt mir auch ein Bussi (fünf Sekunden).
Ich laufe in Richtung Bankomat, der natürlich in der anderen Richtung des Supermarkts liegt (acht Minuten).
An der Kassa warte ich, bis ich dran bin, zahle und packe meine Einkäufe ein (neun Minuten).
Ich laufe zurück in die Wohnung (sieben Minuten).

Mittlerweile ist es 10.15 Uhr. Ich springe schnell unter die Dusche, weil ich wie nach einem Halbmarathon schwitze. Er holt die Einkäufe aus dem Sackerl. „Duuuhuuuu“, ruft er zu mir ins Badezimmer, „Kann’s sein, dass du auf den Honig vergessen hast!?“

6 Kommentare

  1. Hmmm sehr geile geschichte und zeigt uns das wir anfangen uns selten was zu merken, wir haben ja das handy wo alles gespeichert ist 🤣🤣 ich bin der gleiche was pin’s betrifft

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