Whaaaat!! Das war’s schon!?

Ich kralle mich mit den Fingern meiner linken Hand in seinen Haaren fest. Mit Fingern rechts bohre ich mich leidenschaftlich in seine Schulter. Er atmet schwer, während er sich rhythmisch auf mir auf und ab bewegt. Ich habe meine Augen geschlossen und rieche an seiner Haut. Ich mag seinen Duft. Wenig Parfüm, viel Körperodeur. Es ist heiß hier draußen auf der Terrasse. Ich küsse seinen Nacken. Ein salziger Geschmack legt sich auf meinen Lippen ab. Aber ich mag auch das. Schon komisch, was einem am anderen gefällt, wenn man verschossen ist.

Ich öffne die Augen und scanne ihn heimlich. Ich mag seine straßenköterblonden Haare. Und ich mag, dass sie sich so weich anfühlen. Ich mag seine zarten Oberarme. Und ich mag das rote Muttermal an seinem Oberschenkel. Ist es überhaupt ein Muttermal, wenn es rot ist? Nennt man das nicht anders? Wie heißt das nochmal? Blutschwammerl, oder? Ich hab mal eine im Freibad gesehen, deren halber Rücken davon bedeckt war. Da hat man’s als Kinder sicher nicht leicht, wenn einen die anderen deshalb hänseln. Kinder können so grausig sein. Wahnsinn! Schirch!!! Gott, worüber mache ich mir eigentlich Gedanken???!! Hmm … Aber was ich mich schon frage: Wachsen aus Blutschwammerl auch Haare? Ich verrenke meinen Kopf und schiebe ihn in Richtung Beine. Er springt von mir hoch und lehnt sich zurück. Oh, er denkt, ich möchte ihm … Oh, nein, also, so war das eigentlich nicht gemeint. Naja …

Er drückt mich am Schlüsselbein vorsichtig nach hinten. Unsere Blicke treffen sich. Wir grinsen beide. Dann schließt er wieder die Augen. Ich beobachte ihn weiter. Ich mag seinen leicht eingefallenen Bauch. Plötzlich fällt mein Blick auf meinen. Echt jetzt!? Seit wann hab ich so eine Wampe? Und was ist überhaupt mit meinen Oberschenkeln los? Die Sonne knallt auf meine weiße Haut und beleuchtet erbarmungslos meine Cellulite. Wobei Cellulite wirklich untertrieben ist. Es ist eine Vulkanlandschaft. Eine ziemlich aktive.

„Mach langsamer“, hauche ich ihm ins Ohr. Er folgt meinem Kommando und macht in Slow Motion weiter.
„Gefällt’s dir so?“, fragt er.
„Ja, ja“, antworte ich abwesend und stiere auf meine Schenkel. Zumindest rüttelt es meine Beine jetzt nicht mehr ganz so intensiv durch. Aber mein Speckgürtel!!! Alter Verwalter!!! Ich strecke meine Beine zu beiden Seiten gerade von mir weg, ich drücke meine Schultern in die Holzbank, strecke zeitgleich meine Arme über den Kopf und mich damit in die Länge, ziehe meinen Bauch ein und atme so flach, damit er sich kaum wölbt. Uff! Bequem ist es nicht, aber ich glaube, es hilft.

Hab ich meine Achseln rasiert?

Ich bekomme Seitenstechen. Tja, das ist der Preis, den man zahlt, wenn man sich bei den Süßigkeiten nie beherrschen kann. SSKM – selbst Schuld, kein Mitleid. Da muss ich jetzt durch. Ich versuche langsam und ruhig zu atmen, was mir aber mitten im Geschehen nicht wirklich gelingen will. Zwischendurch entkommt mir ein Quietschen wie bei einem Meerschwein. Na toll. Ich blinzle in sein Gesicht. Er hat die Augen noch immer geschlossen. Okay, dürfte ihn nicht verstört haben. Zum Glück! Vielleicht macht es ihn sogar an? Ich quietsche noch einmal und scanne seine Reaktionen. Nein, turnt ihn nicht an. Jedenfalls macht er unbeirrt weiter. Er dürfte in Gedanken ganz bei der Sache sein. Hm … Irgendwie schaut er ein bisschen verbissen drein. Na, also Ästhetik-Award bekommen wir für unsere Performance fix keine … Shit, da fällt mir ein: Hab ich meine Achseln rasiert? Ich schiele zur Seite. Yes! Jawohl! Wenigstens etwas.

Hab schon wieder kein Klopapier …

Wieder fällt mein Blick auf meinen Bauch. Es ist wie Trash TV: Furchtbar, aber man kann nicht wegschauen. Mann, hey, es hilft alles nichts. Ich muss jetzt wieder mit dem Intervallfasten anfangen. Zwei, drei Kilos  würden reichen. Oder fünf. Fünf ist eine gute Zahl. Fünf Kilo. Passt, das ist ein Plan! Aaaah, fast hätte ich’s vergessen: Ich muss heute noch einkaufen. Hab schon wieder kein Klopapier. Wieso zieht er so an meinen Haaren? Aua!!! Jedenfalls: Ich muss mir jetzt echt mal drei, vier Vorratspackungen in den Keller stellen, nachdem die letzte Rolle aus Prinzip auf einen Sonntag fällt. Ich könnte mir aber auch von ihm eine mitnehmen. Wird ihm ja nicht auffallen, oder? Genau, das mach ich! Ich nehm mir von ihm eine Rolle mit, dann kann ich das hier jetzt noch ordentlich auskosten.

„Hat’s dir gefallen?“, haucht er mir ins Ohr, lässt jede Spannung aus seinem Körper weichen und hängt hetzte wie ein nasser Waschlappen auf mir. Whaaaat!? Das war’s schon!???

 

13 Kommentare

  1. So herrlich einfach 😂 ich habs grad in der Vorlesung gelesen und fast laut losgelacht. Freut mich voll, dass du jetzt wieder so oft postest! Bitte mehr von diesen Geschichten 😍

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  2. Haha, das ist echt witzig! Und es ist so witzig, weil natürlich was Wahres dran ist und wir Frauen einfach manchmal bescheuert sind!! 😀

    Liebe Grüße
    Desiree

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  3. Traumhaft! Ich sitze im Jour-Fix totgelangweilt und komme auf Deinen Blog und ich pruste genau in dem Moment los, als der Chef mit dem Protokoll beginnt. Danke der Tag ist gerettet und ich bin happy Dich gefunden zu haben. The best ever ever…
    Liebe Grüße Evelin

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    1. Klingt das komisch, wenn ich jetzt sage: Das freut mich?! 🙂 Stell es mir jedenfalls herrlich vor!!!

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