Au Backe! Der Stripper und ich …

Vorgestern lief „Magic Mike XXL“ im Fernsehen. Ein bissl realitätsfremd und dezent oberflächlich, aber schon schön zum Anschauen. Channing Tatum als Stripper, ich meine … Darum geht’s jetzt aber gar nicht, sondern darum, dass mich der Film an meinen letzten Urlaub in Hamburg erinnerte. Ich war mit einer Freundin dort. Mädels-Trip. Fischbrötchen, Musical und Reeperbahn. Olivia Jones betreibt dort ein Lokal, „Olivas Wilde Jungs“, Deutschlands einzige Menstrip-Bar.

Als wir bei unserem Reeperbahn-Ausflug dran vorbeikamen, haben wir uns gegenseitig verschwörerische Blicke zugeworfen. Sollen wir!? Oder ist das primitiv?! Ich nickte auffordernd und deutete Richtung Eingang. Pffff, warum auch nicht?! Yolo und so. „Wir müssen uns ja nicht gleich auf den Schoß von einem dieser Stripper setzen …“, war eines meiner überzeugenden Pro-Argumente. Und: „Hey, bevor ich  in den anderen Schuppen Frauen beim Tanzen auschecke …“ Also haben wir 15 Euro geblecht und sind rein.

„Ich geh mal schnell aufs Klo“, sagte ich zu meiner Freundin und widmete mich dem Kellner, der oben rum nicht weiter anhatte als eine schwarze Fliege:„Wo ist hier die Toilette, bitte?“
„Hinten bei der Bühne, wo der Menstrip stattfindet, rechts runter“, deutete er mir.
Welche Bühne?, fragte ich mich, nachdem ich nichts erkennen konnte außer eine Horde grölender Frauen, die mit Oliva-Jones-Dollar wild durch die Gegend wedelten.
„Na viel Spaß“, meinte meine Freundin und bestellte zwei Drinks, „Die hab ich vermutlich beide ausgetrunken, bis du wieder kommst … Falls du überhaupt wiederkommst und dich die Ladies da nicht in der Luft zerfleischen.“
„Geh bitte“, winkte ich ab.

Zwei Meter weiter wollte ich das eben Gesagte wieder zurücknehmen. Die Frauen boxten und zwickten mich, weil sie glauben, ich wollte mich vordrängen. „Heeeey!!! Das ist unser Platz“, brüllte mir eine so scharf ins Ohr, dass ich verängstigt zusammenzuckte.
„Kein Stress, ich will nur aufs Klo“, verteidigte ich mich kleinlaut und zog die Ellbogen fest an mich, um, im wahrsten Sinne, so wenig wie möglich anzuecken.
Nachdem ich mich aufs Klo und wieder retour gekämpft hatte, standen meine Freundin und ich ziemlich weit abseits vom Geschehen. „Jetzt lass uns halt weiter nach vorne gehen“, versuchte ich meine Freundin zu motivieren. „Ich mein, wozu haben wir so viel Eintritt gezahlt, wenn wir von der Show dann gar nichts mitbekommen?“

Das Sixpack der Stripper wow, die Moves eher mau …

Wir suchten uns den perfekten Platz: So nah, dass wir das ganze Geschehen gut beobachten konnten, aber weit genug weg, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, Teil der Erotik-Party davon zu werden. Wobei … Weiß nicht genau, ob ich das, was uns dort geboten wurde, zwangsläufig unter erotisch verstehen würde. Die Körper der Stripper waren echt super, gab’s nix dran auszusetzen. Die Gesichter waren teilweise auch echt okay. Aber die Moves … Uuuuh … Ausbaufähig … Und die Kostüme … ähm … tja … auch. Aber ja, man kann nicht alles haben. So von wegen Wunschkonzert und Ponyhof und so …

Ein paar Drinks später passierte es: Mein Blick schweifte durch den Raum und blieb versehentlich bei einem der Tänzer hängen. Verdammt! Hoffentlich blieb das ohne Folgen … Ich schaute bemüht lässig in die andere Richtung. Im Augenwinkel erkannte ich, dass er sich in meine Richtung bewegte. Shit, shit, shit! Ich sah’s schon vor mir: Ich auf der Bühne auf einem Stuhl, während er seinen nackten Hintern einen Zentimeter vor meinem Gesicht hin- und herschwenkte. Dann würde er meine beiden Hände nehmen und damit an seinem Waschbrettbauch entlangführen bis hin zu seinen Lenden … Dann würde das Publikum hysterisch johlen und er würde mir leidenschaftlich übers Dekolleté  lecken. Ich blickte an mir selbst herunter. Ha! Zum Glück trug ich nix mit Ausschnitt. Er würde mit seiner Zunge also maximal die Fusel von meinem Shirt abziehen …

Ich konzentrierte mich weiter darauf, ihn zu ignorieren. „Hey“, sagte er in einem lasziven Tonfall. Ich lächelte verkrampft. „Hey“, sagte ich zurück und rechnete mit dem Schlimmsten. Und genau das trat ein: Er kniff mir in die Wange, lächelte wie ein Märchenonkel und zog wieder ab. Tja und das ist tatsächlich das Ende der Geschichte: Mir hat ein Stripper allen Ernstes in die Wange gekniffen.

Ich in Hamburg. Vor unserem Ausflug ins Stripper-Lokal

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