Supercycle: Ich habe überlebt!

Hallo und jetzt klatschen! Geht schon! Zuerst einmal hab ich mir Applaus verdient. Standing Ovations, bitte. Ein bisschen hysterisches Gegröle sollte auch drin sein. Ja, klingt schon ganz gut! Aber geht’s vielleicht noch eine Spur lauter?! Jaaa jaa jaaaaa, soooo gefällt es mir. Jetzt können wir starten – und zwar mit der Nachricht des Tages: Ich bin eine Siegerin! Ich bin eine Heldin! Ich habe Superkräfte! ICH HABE SUPERCYCLE ÜBERLEBT!!!!!!!!!!!

Als meine Kollegin mich fragte, ob ich sie in den Kurs begleite, hab ich sofort Ja gesagt. Ich muss zugeben, dass ist vielleicht etwas, woran ich arbeiten könnte: Zuerst – zumindest kurz – überlegen, bevor ich zu etwas zusage. Aber ich hab mich so geehrt gefühlt, weil sie mich gefragt hat, obwohl wir kaum was – auch in der Arbeit nicht – miteinander zu tun haben. (Ich überleg mir gerade, ob es ähnlich enden würde, wenn mir Richard Lugner einen spontanen Heiratsantrag machen würde …) Jedenfalls: Die Freude darüber hat scheinbar so viel Dopamin in mir freigesetzt, dass ich im ersten Moment gar nicht mehr klar drüber nachdenken konnte, was das bedeutet, wenn ich mitkomme. Nämlich, dass ich mich freiwillig 60 Minuten Folter ausetze.

Das dämmerte mir erst am Abend vor unserem Supercycle-Training. Ich lag schon im Bett, als ich mich auf YouTube durch die Videos klickte. Da hopsten in jedem Clip durchtrainierte Menschen auf dem Spinningrad synchron und ziemlich energisch vor und zurück – und sie lächelten dabei, obwohl sie schwitzten als hätten sie in einer Sauna übernachtet. Bei mir sieht das eeeeetwas anders aus, wenn ich im Fitnessstudio eine Radeinheit hinlege: Ich SITZE am Ergometer bei Stufe 1 (die niedrigste), trete gemütlich 30 Minuten vor mich hin und schaue fern. Puh, auf was hab ich mich da bitte eingelassen!?

Ich kann’s euch sagen:

Auf eine kleine Ausfahrt in die Hölle!

Die ersten zehn Minuten waren der blanke Horror! Meine Oberschenkel brannten wie nach einer Mount Everst-Besteigung. (Also so stell ich’s mir zumindest vor, war ja noch nie oben …) Außerdem musste ich mich echt drauf konzentrieren, im Rhythmus zu bleiben und bei den Vor- und Zurückbewegungen nicht vom Rad zu kippen. Danach bin ich reingekommen und dann ging’s auch – um nicht zu übertreiben – einigermaßen. Die Musik hat auch ordentlich Laune gemacht. Wir waren in einer Electro-Einheit. Gibt aber auch welche, in denen sie HipHop oder 90er Jahre Hits spielen. Das stell ich mir ja noch viel, viel cooler vor!!! Wobei … Bei Backstreet Boys un 2Pac mitsingen UND sich parallel dazu abstrampeln – weiß nicht, ob sich das konditionstechnisch bei mir ausgeht … Prinzipiell hatte ich mit meiner Ausdauer aber überraschenderweise kein Problem, obwohl ich mich da eher im schlechten Mittelfeld eingeordnen würde.

Dafür machten mir meine Beine teilweise Probleme, was mich auch wiederum überraschte, weil ich die eigentlich regelmäßig trainiere. Zwischendurch musste ich deshalb auch immer wieder kurz pausieren. Der klare Vorteil: Die Supercycle-Stunde findet in einem ziemlich abgedunkelten Raum statt, fällt also nicht auf, wenn man für ein paar Takte aussetzt. Dafür ist der vielfache Tipp, dass man dann einfach die Watt zurückstellen soll, ein Schmarrn. Weil bei zu wenig Intensität kommt man nicht im richtigen Rhythmus treten. Das ist irgendwie mühsamer und anstrengender als wenn man gleich g’scheit mitmacht. G’scheit mitmachen ist aber auch nicht ohne. Wir drehen uns im Kreis …

Wenn Strafzettel an Bedeutung verlieren …

Nach der Stunde war ich auf alle Fälle hinüber. Und zwar so richtig! Aaaaaber ich war gleichzeitig auch echt entspannt und ausgeglichen, weil das Training absolut den Kopf frei macht. Logisch: Wenn du damit beschäftigt bist, die Einheit irgendwie zu überleben, bleibt kein Platz für Gedanken über andere Probleme. Vor allem relativieren sich Strafzettel, verwaschene Shirts und unbeantwortete Nachrichten ziemlich schnell, wenn du nicht weißt, ob du morgen überhaupt noch da bist. Noch ein Pluspunkt: Es fühlt sich an, als würde man in einer Einheit 1.500 Kalorien verbrauchen. Wie viel genau es sind, weiß ich nicht, aber fix ziemlich viele! Paaaah und ich hab geschlafen wie ein Baby!! Nicht wie eines, das alle 45 Minuten aufwacht, sondern wirklich, wirklich extrem gut …

Fazit: Mir hat’s getaugt. Und ich geh am Montag wieder zum Supercycle-Training. 80er Jahre. Wer traut sich noch und kommt mit? 😉

Ein Kommentar

  1. So toll geschrieben und schöne geschichte und ich würde sofort mit kommen nur ich bin ja in graz 🤷‍♂️

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