Mein foodora-Fauxpas

Jaaaaaaa, ich habe hier schon lange nichts mehr geschrieben. Aber hey, ich hab eine gute Entschuldigung. Ich war in letzter Zeit intensiv mit zwei Dingen beschäftigt: Schlafen und essen. Ich glaube ja, tief im Inneren bin ich ein Eichhörnchen. Ein degeneriertes aus Schönbrunn, das zwar gerne stundenlang dahindöst, aber nicht weiß, wo es einen monatelangen Winterschlaf reinpacken sollte, weil dauernd jemand mit Fressen vor der Nase herumwedelt.

Aber im Ernst: Essen und schlafen – gibt’s eine bessere Kombi? Kaum! Ganz besonders geil ist es, wenn man sein Essen nicht mal selbst kochen muss, sondern foodora es einem quasi bis an die Couch bringt. Okay, Wunschdenken … Bis an die Eingangstür. Und wenn man in keiner Villa wohnt, ist die zumindest nicht soooo weit von der Couch entfernt.

Noch 45 Minuten …

Okay, satt ist das eine Dreiviertelstunde. Hungrig eine Eeeeeewigkeit. Hm, ich könnte derweil ein paar Essiggurkerl essen. Aber irgendwie ist das schon ziemlich gierig, oder? Jetzt kommt gleich eine richtig fette Ladung asiatischer Speisen ums Eck und ich stopf mir eingelegtes Gemüse rein, weil ich mich keine 45 Minuten beherrschen kann? Na komm, Kathi, das hältst du aus, bis der foodora-Typ klingelt! Du schaffst das! Stark bleiben! Hmm … Ich hätte auch noch ein Sackerl von diesen Babybel-Babykäselaiben im Kühlschrank … Die sind so mini, dass die eigentlich gar nicht zählen. Nur eins …  Komm, Kathi, sei nicht lächerlich und reiß dich zusammen! Okay, ich lenk mich ab. Womit? Staubsaugen! Ja, Staubsaugen klingt gut.

Noch 35 Minuten …

Über eine halbe Stunde und die Böden in Küche, Wohn- und Schlafzimmer sind sauber. Was jetzt? Es dauert noch immer eine gefühlte Ewigkeit bis der von Foodora da ist. Hm … Es würde sich locker ausgehen, mich und meine Haare zu waschen. Dafür brauch ich nicht länger als 15 Minuten. Maximal 20 mit Abtrocknen. Passt, mach ich! Ich schlüpfe aus meinen Klamotten, steig in die Dusche und lass das warme Wasser über meinen Kopf und mein Gesicht laufen. Herrlich!

Ich liebe die Vorstellung, wie es alles Negative wegspült. Meinen Ärger, weil mir heute Abend jemand den letzten Parkplatz in der Straße weggeschnappt hat,  ich mein Auto zwei Häuserblocksweiter weg abstellen musste uuuuund meine Einkäufe dementsprechend weit schleppen musste. Meinen Frust, dass die Jeans seit ein paar Wochen wieder enger sitzt. Und meinen Unmut, dass ich mir darüber überhaupt Gedanken mache … Alles weg damit! Ich massiere einen Klacks Silbershampoo in meine Haare rein. Während es eine Minute einwirkt, reibe ich mein Gesicht mit Waschlotion ein, die ziemlich stark schäumt.

Tatarata … Foodora ist da!

Trrrrr … Hat’s gerade geläutet? Nein, ich glaub, ich habe mich verhört. Trrrrr … Nein, doch nicht verhört. Es hat tatsächlich geläutet. Komisch … Dabei erwarte ich gar niemanden. Oh Shit!! Das ist fix der Typ von foodora. Oh Gott, ich muss ihm aufmachen, sonst fährt er mit meinem Essen wieder weg. Nein, hier bleiben! Stopp, Stopp, STOOOOOOPP! Ich habe Hunger! Ich springe hysterisch aus der Dusche, schnappe mir im Vorbeilaufen ein großes Handtuch, wickle es mir um, während ich raus in den Flur laufe und brülle ein lautes „Komm schooooon!“ Richtung Eingangstür. Völlig außer Atem öffne ich diese.

„Sorry, ich war gerade unter der Dusche“, schnaufe ich.
Der Fahrer nickt unbeeindruckt, aber freundlich und fischt aus seiner pinken Lieferbox mein Essen raus.
„Einmal Misosuppe, Shrimps mit Gemüse und eine Portion Jasminreis, richtig?“
„Und einmal die Maronitaschen.“
„Aja.“ Er mustert mein Gesicht. Ein weißer Patzen Lotion tropft auf den Boden.
„Ist super. Spendet Feuchtigkeit“, sage ich verlegen.
Der Fahrer nickt wieder, bemüht sich um ein freundliches Lächeln und reicht mir die Behälter mit dem Essen drin. Ich strecke ihm beide Hände entgegen und vergesse in meiner Gier, dass ich mit einer das Handtuch fixiere. Es rasselt runter, ich springe intuitiv hinter die Tür, sehe mich im Spiegel, bemerke, dass er mich darin auch sehen kann und trete, ähnlich elegant wie Schwarzenegger in „Terminator“, die Eingangstür zu. Wie peinlich! Wenn ich Glück habe, sehe ich ihn nie wieder … Wobei … Am liebsten würde ich ihn jeden Tag sehen, denn das würde bedeuten, dass ich nie wieder kochen müsste und mich jeden Tag von den coolsten Restaurants überhaupt beliefert werden würde. Gibt’s eigentlich so etwas wie ein Jahresabo bei Foodora?! Das könnte ich mir zu Weihnachten wünschen …

Es klingelt wieder. Oh, verdammt, der Typ hat ja noch mein Essen!
„Stellen Sie die Boxen vor der Tür ab“, befehle ich von innen. Ich schiele durch den Spion. Er bückt sich und stellt, wie ihm aufgetragen, das Essen vorsichtig auf meinem Fußabstreifer ab.
„Danke!“, rufe ich wieder, „Und Moment! Ich schiebe Ihnen Ihr Trinkgeld unter der Tür durch.“ Endlich ein Grund, mich darüber zu freuen, dass zwischen meiner Altbautür und dem Boden ein relativ großer Spalt ist.
„Danke!“, ruft er zurück und fischt nach den Münzen, „Und aufpassen, die Suppe ist ziemlich heiß.“

P.S.: Falls sich jemand gesorgt hat: Nein, meinen Appetit hat es mir trotz aller Peinlichkeit nicht verschlagen!

Essen von Foodora
Meine zwei Lieblingsbeschäftigungen im Moment: essen und schlafen.

*Dieser Post wurde freundlicherweise unterstützt von foodora

 

16 Kommentare

  1. Hallo, ein herrlicher Text. Der hat mich echt zum schmunzeln gebracht. Super geschrieben.
    Ja wer wäre nicht froh nicht mehr kochen zu müssen. Aber andererseits liebe ich es zu kochen. Aber bekocht werden ist auch was schönes.
    Liebe Grüße Nadine

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  2. Danke für die Unterhaltung am Nachmittag! Wirklich lustig geschrieben. Mir würde was fehlen nicht zu kochen, aber die Frage stellt sich hier nicht , hier ist Lieferservice Entwicklungsland, es gibt dann doch eine Pizzabude die liefert , aber das zu Preise, das macht keiner.

    LG aus Norwegen
    Ina

    http://www.mitkindimrucksack.de

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  3. Ach, herrlich 😀 Das könnte glatt mir passieren – schwupps, Handtuch weg 😀
    Aber ist das nicht typisch? Man denkt, man hätte noch eeeewig Zeit und dann kommt der erwartete Besuch früher.

    Ganz liebe Grüße aus Singapur 🙂
    Michelle <3
    gowhereyourhearttellsyoutogo.wordpress.com

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  4. Hey meine Liebe!

    Eine super tolle Geschichte und wirklich einen Artikel wert!
    Ich finde übrigens auch deinen Schreibstil toll… irgendwie fesselnd! 🙂
    Foodora kannte ich bisher noch nicht!

    Liebe Grüße!

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  5. Ein wunderbar geschriebener Post und ich musste gerade einfach lachen 😀
    Das hätte definitiv auch mir passieren können! Wie oft mich schon der Postbote in Krümelmonster-Kuschelanzug und Gesichtsmaske oder total verschlafen im Schlafanzug um 11Uhr erwischt hat. Der Lieferdienst ist davon nicht weit entfernt.
    Schön, dass es Dir trotzdem geschmeckt hat und man sollte auch einfach mal über sich selber lachen 🙂

    Liebe Grüße,
    Helen

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  6. Ein kurzweiliger und witziger Text – ich bin ja ein richtiger Genussmensch, der Gaumenfreude liebt! Also der perfekte Text für mich <3!

    Liebe Grüße
    Verena

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  7. Sehr amüsant zu lesen 🙂 Vielleicht werde ich das demnächst auch mal ausprobieren, aber dann nach dem Anruf nicht direkt duschen gehen 🙂
    Andreas von gesundheit-managen.de/

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