Meine kleine Stiegenhausromanze

Oskar und ich treffen uns mehrmals die Woche im Stiegenhaus. Zwischen uns war von Anfang an eine Grundsympathie da. So ein ehrliches „Hey, ich kann dich leiden“. Oskar ist die Diwanwalze von meinem Nachbarn, der einen Stock unter mir wohnt. Etwa 50 Zentimeter lang, 30 hoch, hellbraun mit hängenden Ohren. Irgendeine Mischkulanz, nichts Reinrassiges. Ein süßes Kerlchen. Nur heute hat’s der Köter ein bisschen zu weit getrieben …

Oskar feiert morgen seinen dritten Geburtstag, erzählt mir sein Herrchen, während wir drei auf den Lift warten.
„Na, schon aufgeregt, mein Freund?“, frage ich.
Der Hund kläfft nervös, das Herrchen tadelt ihn: „Ja, wirst du eine Ruhe geben!“
„Er antwortet ja nur“, scherze ich, „Ich hab ihn immerhin was gefragt. Gibt’s Geschenke auch?“
„Ja, sicher! Irgendwas besonderes zum Fressen.“
„Fressen ist immer gut.“

Wir warten auf den Lift.
„Können Sie ihn kurz halten?“, bittet mich mein Nachbar, „Dann hol ich noch schnell die Post. Bis der Aufzug kommt, dauert es eh immer ewig.“
„Klar doch“, sage ich und nehme die Leine entgegen.
Mein Nachbar geht vor zu den Briefkästen.
Der Hund springt währenddessen an meinem rechten Bein hoch.
„Ja, Oskar, du fesches, junges Ding“, flöte ich zu ihm hinunter. Der Hund freut sich offensichtlich über meine Ansprache. Er ist ganz aufgedreht. Er bellt und hopst ungestüm auf und ab. Er wedelt temperamentvoll mit seinem Schwanz. Und er … Ähm, was macht er da?! Ich lege meinen Kopf schief. Oskar!? Tja, ähm, ich glaub, er will die Gunst der Stunde nutzen und mir zeigen, wie gern er mich hat. Und wenn ich’s richtig deute, mag er mich sehr. Sehr, sehr, sehr! Zuuuuuu sehr! Ich versuche, unauffällig mit meinem Bein zu zappeln, um ihn loszuwerden. Das heizt ihn nur noch mehr an. Ich hab’s hier wohl mit Hugh Hefner der Hunde zu tun. Ja, ganz fein!

Lass uns Freunde bleiben …

„Okay, Oskar, ich glaub, du übertreibst es ein bisschen!“, zische ich.
Er bleibt dran. Ich zucke weiter mit dem Bein. Symbolhaft. Ich trau mich nicht wirklich, fest zu zappeln, weil ich Angst habe, ich könnte das Fliegengewicht unabsichtlich über die Hausmauer kicken.
Mein Nachbar kommt zurück.
„Sein Vorgänger ist mit drei verstorben“, führt er das Gespräch mit mir weiter und blickt dabei gedankenverloren durchs Fenster.
„Das ist traurig“, sage ich und denke mir: „Wenn der sich’s auch so gegeben hat, wundert es mich nicht.“
Wo bitte bleibt der Lift!?

Noch bevor der Aufzug da ist, scheint Oskar endlich zu begreifen, dass es bei mir nichts zu holen gibt. Er gibt auf und blickt mich mit seinen großen braunen Augen an.
„Braver Oskar“, sage ich, steige ich nach den beiden in den Lift ein und halte genügend Sicherheitsabstand. Die zwei steigen einen Stock vor mir aus.
„Schönen Geburtstag morgen“, wünsche ich. Dann lasse ich mich zu Oskar runter: „Ich fürchte, das mit uns wird nichts, du Draufgänger. Aber wir können gerne Freunde bleiben, wenn du magst. Also wenn ich diese heutige Begegnung verarbeitet habe. Gib mir ein bisschen Zeit …“

Und wieder was dazu gelernt: Bellende Hunde beißen tatsächlich nicht … Dafür rammeln sie!

„Oskar, übertreib’s nicht!“

5 Kommentare

  1. Also ich bin seeeeehr froh, dass ich zufällig über Deinen Blog gestolpert bin! 👍🏼🍀🌹🍾

    Antworten

  2. Ohhhh der arme oskar, das bild im kopf, oskar will kathi schaut sich um und will nicht, ein bild dazu wäre noch die kirsche auf der sahne, danke kathi für die lustige geschichte

    Antworten

  3. Cooler Blog und coole Geschichte! 🙂 Wobei sich manche männliche Mitmenschen die Frage stellen sollten ob sie nicht auch manchmal ein wenig zu sehr Oskar sind… 😉

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.