Acht Sätze, die wir nicht oft genug sagen können

Letztens beim Abendessen bei einer Freundin: „Ich werde dann langsam aufbrechen“, sage ich etwa zwanzig Minuten, nachdem ich zwei Portionen Mousse au Chocolat genascht habe. Ich bin nach dem Dessert extra noch ein bisschen Zeit abgesessen, damit ich nicht extrem unhöflich wirke. Innerlich beiße ich schon Nägel. „Ich muss noch einen riesigen Berg Wäsche bügeln …“
Die Gastgeberin rollt mit den Augen. „Geh, bleib doch noch! Wir haben uns gerade so gut unterhalten. Und ich hab dir noch gar nicht von meinem letzten Date erzählt!“

„Ich muss echt …“, sage ich, verziehe mein Gesicht und merke, wie meine Entschlossenheit ein bisschen weniger wird. Sie hat Recht. Wir haben’s gerade echt fein. Und ich will wissen, wie ihr Rendezvous war. Ich bin innerlich dazu bereit, mich überreden zu lassen. Eigentlich weiß ich, dass ich bleibe. Ich lass es mir aber nicht sofort anmerken. Ich glaub nämlich, die Chancen stehen gut, noch eine Portion Mousse au Chocolat rauszuschlagen.

„Komm schon! Noch ein Glas Rotwein!“, meine Freundin schwenkt die halbvolle Flasche vor meiner Nase hin und her.
„Passt“, sage ich und halt ihr mein leeres Glas hin. Dieser Deal ist auch nicht schlecht!
Zwei Stunden später bin ich noch immer nicht daheim. Das Bügeln muss ich definitiv auf einen anderen Tag verschieben. Irgendwie fühle ich mich deshalb ein bisschen schlecht. Dann aber denk ich mir: „Scheiß drauf! Eigentlich sollte man viel häufiger Dinge machen, die einem guttun.“ Okay, das ist jetzt nichts, was nicht schon etwa circa fünf Millionen Menschen vor mir gesagt hätten (darunter vermutlich Buddha, Ghandi und Hugh Grant), aber trotzdem etwas, worauf wir in der Hektik des Alltags oft vergessen.

Deshalb:

Acht Sätze, die man nicht oft genug sagen kann!

Noch ein Glas Rotwein! Von wegen: „Aufhören, wenn’s am schönsten ist!“. Wer hat diesen Spruch überhaupt erfunden!? Von mir könnte er lauten: „Aufhören, wenn’s schlechter wird …“ Oder: „Aufhören, wenn’s einem schlecht wird …“ Aber aufhören, wenn’s am schönsten ist!? Das ist als würde man kurz vor dem Aufguss aus der Sauna gehen oder am Flughafen von Santorin landen und sofort in einen Flieger zurück nach Österreich steigen. Das ist wie an Schokolade riechen, aber nichts davon essen. Also nein! Lasst uns das Leben so ausgiebig und ausufernd wie nur möglich genießen! Yolo! 😉

Die Wäsche kann warten! Ja, der Duft von frisch gewaschener Wäsche ist herrlich! Aber sind wir uns ehrlich: Es gibt tausend Dinge, Millionen Dinge, die besser sind als seine Zeit damit zu verbringen, sein Gewand zu waschen. Außer man hat’s schon so oft aufgeschoben, dass keine saubere Unterhose mehr da ist. Dann sollte man eeeeeeeeventuell einen Waschtag in Erwägung ziehen. P.S.: Das gilt auch für Fenster putzen, Staub wischen, Aufräumen, Fugen reinigen und alles, was sonst noch nervt.

Ich hab dich lieb! Jemanden zu sagen, dass man ihn gern hat, geht immer. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Und auch 678 Mal am Tag. Okay, na gut, 678 Mal ist vielleicht ein weeeeenig übertrieben. Vor allem, wenn man einen Fulltimejob hat. Aber im Ernst: Ich finde, wenn man schöne Gefühle für jemanden hat, sollte man das dieser Person unbedingt sagen und sich nicht wegen ein bisschen falschem Stolz oder was auch immer im Weg stehen.

Ich ruf den Lieferservice! Mir macht Kochen Spaß. Am Wochenende zum Beispiel liebe ich es, stundenlang in der Küche zu stehen, um was Feines zu zaubern. Tafelspitz, Gulasch mit Spätzle, Paprikahendl, … Mmmmhhh … Unter der Woche aber muss es schneller gehen. Nach der Arbeit und wenn ich dann vielleicht auch noch im Fitnessstudio war, mag ich nicht noch ewig am Herd herumeiern (Ein tolles Wortspiel, wo es gerade ums Essen geht, oder?!). Wenn dann auch noch andere Sachen zu erledigen sind oder ein gutes Buch auf mich wartet und ich seit Wochen nicht dazu komme, es zu lesen, spüre ich, wie ich innerlich komplett unruhig werde. Gleichzeitig will ich aber nicht jeden Abend ein Käsebrot essen. Die Lösung: Ein guter Lieferservice!

Und den darf man ohne schlechtes Gewissen in Anspruch nehmen. Mehr noch: Man kann stolz auf sich sein, wenn man Essen bestellt. Allein, wie viele Arbeitsplätze man mit einer Order sichert. Das sind mindestens zehn Posten: Den des Geschäftsführers vom Lieferservice, den des EDV-Menschens, der dafür sorgt, dass die Bestellungen im Lokal ankommen, den des Marketingmenschen, der dafür verantwortlich ist, dass man den Lieferservice überhaupt kennt und gewählt hat. Dann wäre da noch der Job des Lokalbetreibers, der des Kochs, der der Putzfrau, die nach dem Koch die Küche saubermacht. Nicht zu vergessen: Auslieferer, Kartonhersteller, Handyproduzent, Internetanbieter, Gegensprechanlagenfabrikant, … Und ich hab jetzt bestimmt auf ein paar vergessen.

Einmal „Snooze“ drücken geht sich noch aus! Ich stelle mir meine Wecker meistens auf 6:15. Der Plan: Spätestens fünf nach halb springe ich voller Elan aus dem Bett, um vor der Arbeit noch ungefähr ein halbes Leben unterzubringen. Die Realität: Ich drücke fünf Mal die „Snooze“-Taste und bleibe bis sieben Uhr im Bett liegen. Dann steh ich auf, schleiche in die Küche, mach mir einen Kaffee und chille mich noch einmal für zehn Minuten auf die Couch. Aber hey, warum auch nicht? Und überhaupt: Wer in aller Herrgottfrüh schon Vollgas gibt, ich weiß nicht, … Ich glaub, mit den Leuten stimmt was nicht 😉

Du bist schön! Kann man zu anderen sagen, aber auch zu sich selbst. Zweiteres tun wir viel zu selten, find ich. Oder wie oft stellt ihr euch vor dem Spiegel hin und macht euch ein Kompliment nach dem anderen!? Sollten wir aber! Immerhin verbringen wir mit niemanden mehr Zeit als mit uns selbst!

Bitte mit extra viel Käse drauf! Jedes Essen schmeckt besser mit viel Käse drauf. Außer Browniekuchen. Und Nutellabrote. Und Obstsalat. Und Vanillepudding. Und noch ein paar Sachen vielleicht. Aber prinzipiell gilt: Das Leben ist zu kurz für zu wenig Käse!

Ich glaub, das geht noch lauter! Ich hab die furchtbarste Singstimme im ganzen Universum. Null Rhythmusgefühl und ich schaffe es nicht, Melodien wiedererkennbar wiederzugeben. Lustige Anekdote dazu: Ein Bekannter motivierte mich mal dazu, ihm was vorzusingen. Er meinte, „Where The Wild Roses Grow“ wäre perfekt für mich. Ich lies mich überreden und hab ihm vorgesungen. Seine Reaktion: „Kathi, ich glaub, du musst dich erst warmsingen. So zwei, drei Jahre.“ Das Problem dabei: Ich liebe es zu singen! Es ist so befreiend und macht gute Laune. Wenn ich’s tu, dreh ich deshalb so laut vor, dass ich mein Katzengejaule dabei nicht mal selbst hören muss.

Kann ich helfen? Da wäre da diese Sache mit der Nächstenliebe. Ich glaube, wir sollten uns alle sowieso mehr supporten und weniger runterziehen. Dann hätten wir alle viel mehr Spaß am Leben! Mehr gibt’s da eigentlich gar nicht zu sagen.

P.S.: Das Date meiner Freundin war übrigens ein Flop. Der Typ war mehr an ihrem Hund als an ihr selbst interessiert. Er wollte immer einen haben, konnte aber nicht wegen seiner Jobsituation, deshalb war er jetzt auf der Suche nach einer Frau mit Köter. Highlight-Aussage des Abends: „Darf ich ihn mir mal zum Spazieren gehen ausborgen.“ Hahaha. Ich muss noch immer lachen, wenn ich dran denke. Und ich darf schadenfroh sein – ich erinnere euch an die Sache mit der Brücke!

Ich beim Schreiben. Ganz natürlich und null gestellt 😉

14 Kommentare

  1. Liebe Kathi vielen vielen dank das du uns/mich teilhaben lässt und so tolle geschichten schreibst ich beneide dich darum, es sind viele dinge im kopf aber was schreiben? Da fällt mir nie was ein. Das mit der wäsche muss ich gestehen ich mache es gerne, jeden samstag um 6 uhr früh bund und weiße. Thema ein glasserl nun ich habe auch getrunken und auch heute wo ich es dir schreibe und das obwohl ich alkohol nicht mag. Thema aufstehen puhhh ich bin das über 20 jahren gewohnt in der früh (3:30 oder 4:00 uhr) und ich war und werde nie schlecht drauf sein oder unfreundlichda kannst du viele fragen. Thema helfen, nunich bin sehr hilfsbereit und macht mir spass, warum? Weil ich die andere seite kenne weil ich vieles alleine machen musste und muss. Fals ich zu viel geschrieben habe lösch es einfach ist ok. Danke für die tollen geschichten lg ☺️

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  2. Mir fallen da noch ein paar Sätze ein, die ich viel zu selten sag. Vor allem der: Geh scheissen … wenn wieder irgendjemand besser weiß, wieman meine Kids erziehen sollte, wie viel Sport ich machen und wie viel Pommes ich nicht essen sollte. Vielleicht sag ich das jetzt wieder öfter. Nnicht nur am Klo 😉

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  3. hihi, ein richtig toller Post meine Liebe!
    ich muss mich ja (leider) eher ertappen, dass ich manche von diesen Sätzen doch zu häufig verwende … den mit der Snooze-Taste, bestimmt jeden Morgen 6 mal 😉

    hab einen schönen Montag,
    ❤ Tina von http://liebewasist.com

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    1. Ich hab heute Morgen meinen persönlichen Snooze-Rekord gebrochen. Eineinhalb Stunden!!!!!!

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  4. Ein sehr amüsant geschriebener, dass mit der Snooze-Taste kenne ich auch sehr gut. Man sollte die Feste feiern wie sie fallen, die Wäsche nimmt dir keiner weg, die wartet auf dich.
    Deine Sätze kann ich nur voll und ganz unterschreiben.
    Liebe Grüße
    Sigrid

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  5. Ich schreibe mir aus deinem Text gleich eine To-Do-Liste für die nächsten Tage. Das mit der Wäsche kann ich heute schon abhaken. Und morgen. Und übermorgen 🙂
    Liebe Grüße,
    Christine

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  6. Ach, das finde ich ja wirklich niedlich, vorallem die Story mit dem Hund. „Ich hätte gern einen Hund, die Frau dazu würde ich auch nehmen, aber nur, wenn sie nicht allzu viele Umstände macht.“ 😀

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  7. Liebe Katharina,
    welch ein amüsanter, kurzweiliger Bericht! Und so wahr noch dazu. Du hast einen sehr schönen Schreibstil, bei der man immer weiter lesen möchte. Ich finde, da passen einige Punkte wahrscheinlich zu jedem. Zum Beispiel: Der Abend bei der Freundin, mit dem Rotwein, wer kennt diese Situation nicht?
    Liebe Grüße, Selda

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  8. hahaha herrlich! ich habe mich beim titel darauf eingestellt, dass voll die Zitate mit den berühmten sätzen kommen, die man sich täglich vorsagen sollte und war positiv überrascht über deinen text! 🙂
    PS: die typen werden heutzutage immer „weirder“
    glg karolina
    https://kardiaserena.at

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  9. Ein paar der Sätze stimmen völlig. Aber die meisten kann man si nur ausleben, wenn man ledig und kinderlos ist. ☺️

    Liebe Grüße, Nicoletta

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