Wie viel Shapewear tut einer Freundschaft gut?

Erkenntnis: Shapewear kann nicht nur die Liebe töten, sondern auch Freundschaften auf die Probe stellen …

Es klingelt. Wer ist das? Es hat sich niemand angekündigt!? „Ja, bitte?“, raune ich durch die Gegensprechanlage. Sicher wieder Zeugen Jehovas oder die Müllabfuhr, die in den Hof möchte.
„Ich bin’s!“
„Wer ist ich?!“
„David!“

Jööööö! Na, mit ihm hab ich jetzt nicht gerechnet. Er ist einer meiner besten Freunde und wir haben uns schon ewig nicht mehr gesehen. Seit David einen neuen Job und eine neue Freundin hat, bleibt weniger Zeit für mich. Umso mehr freue ich mich über seinen Überraschungsauftritt. Obwohl ich eigentlich ziemlich im Stress bin … Ahhhh, Mensch! Ich hab noch zwei Stunden Zeit, um mich zu verwandeln – vom ungeschminkten Sofamonster zum adretten Partymäuschen. Und ich weiß noch nicht mal, was ich anziehen soll. Egal, ein schneller Kaffee geht sich aus. „Komm rauf“, sage ich und drücke den Türöffner.

Ich fühl mich wie das Karnickel aus „Alice im Wunderland“ …

David schmeißt sich gemütlich auf meine Couch und nippt an dem Kaffee, den ich ihm gemacht habe. Er erzählt von seiner Freundin, dem Job, seinem Boss, seinen Eltern, seiner Wohnung … Ich schaue immer wieder auf die Uhr. Puh, ich hab noch eineinhalb Stunden. „Wart kurz, komm gleich“, sag ich und rausche ins Bad. Zumindest mal die Kontaktlinsen reingeben und eine Foundation drauf, damit mich meine innere Unruhe nicht komplett wahnsinnig macht.

“ … Und dann hat er tatsächlich gesagt, ich soll das Projekt allein übernehmen! Weißt du, was das für ein großes Kompliment ist?! Ich bin immerhin erst seit drei Monaten dabei“, erzählt David.
„Wow, ich bin stolz auf dich“, antworte ich und schiele wieder auf die Uhr. Noch eine Stunde. Ich will nicht unhöflich sein und ihn wegschicken, aber ich muss mich ganz dringend fertig machen. Ich fühl mich wie das Karnickel aus „Alice im Wunderland“.

„Du kannst ruhig weiterreden. Ich hör dich eh“, sage ich und hüpfe vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer. Okay, gut, ich höre nichts. Also nicht ganz nichts. Ich höre, dass er spricht, aber ich hab keinen Tau worüber. „Aha“, rufe ich dennoch immer wieder ins Wohnzimmer rüber. Etwa alle dreißig Sekunden. Mit „Aha“ kann man eigentlich nie falsch liegen. Außer man bekommt eine Frage gestellt … Aber mit ein bisschen einem nachdenklichen Unterton kann man sich noch immer drauf rausreden, dass man einfach nur laut überlegt hat.

Warum sind die Teile bitte so eng!?

Ich ziehe ein olivegrünes Kleid aus dem Schrank. Hm, nicht übel! Soll ich das heute Abend tragen!? Ich ziehe mich bis auf die Unterwäsche aus und schlüpfe rein. Ich drehe mich vor dem Spiegel von links nach rechts.
„Das nimmst du?“ mustert mich David, der plötzlich neben mir im Schlafzimmer steht. „Hm, weiß noch nicht“, sage ich und begutachte mich weiter im Spiegel.

Was macht er überhaupt bei mir im Schlafzimmer?
„Du liegst im Bett bestimmt auf der Seite von der Wand, oder?“
„Mein Bauch steht so weg“, murmle ich gedankenverloren und wühle in meiner Unterwäschenlade nach meinem hautfarbenen Shapewear-Body. „Und ich lieg rechts. Aber kannst du bitte kurz rausgehen?!“ bitte ich David. Wir kennen uns jetzt echt schon eine halbe Ewigkeit und haben uns beide in den schrägsten Situationen erlebt, aber ALLES muss er wirklich nicht von mir wissen. Zum Beispiel wie ich in Shapewear aussehe …

Er dreht sich um, geht raus und schaut sich in der Zwischenzeit den Einbauschrank im Vorraum genauer an. „Hast du den reingemacht?“, fragt er mich. „Nein, war schon da“, antworte ich, zieh das Kleid noch mal aus und steige in den Liebestöter rein. Alter, sind die Teile eng!!! Ich halte die Luft an und wurschlte die Träger meinen Oberkörper hoch. So, jetzt noch zumachen … Ich fummle im Schritt herum. Uff! Mir stehen schon die ersten Schweißperlen auf der Stirn. „Ahhhh“, stöhne ich angestrengt.

„Ähm, was machst du da?“, fragt mich David irritiert. Ich atme tief durch. Ein bisschen zuuuu tief, mir wird schwindlig. Ich kann nicht reden. Deshalb blicke ich ihn einfach nur eindringlich an. Dann lass ich genervt den Verschluss los und das ganze Teil schnalzt an mir hoch. Gratuliere! Aber man muss in allem das Positive sehen. Also: Immerhin hab ich darunter noch meine Unterwäsche an. David schmunzelt: „Wenn ich dich so anschaue, erinnerst du mich total an meine Mama. Sie hat auch sowas.“

Bloggerin mit Flamingo auf dem Kopf, nicht in Shapewear
Foto von mir in Shapewear gibt’s keines, dafür mit Flamingo auf dem Kopf.

2 Kommentare

  1. Kompliment gut geschrieben, entweder bin ich dumm oder ich weis es nicht. Ich finde da nichts schlimmes daran wie es abgelaufen ist und was abgelaufen ist, echte wahre Freunde werden immer bleiben egal was passiert. Aber das ist ansichtssache von jedem menschen

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    1. Stimmt! Echte Freunde bleiben auch, selbst wenn sie einen in Shapewear gesehen haben! Du musst den Text mit einem Augenzwinkern lesen. Wir sind nach wie vor quasi BFF 😉 Schönen Abend und danke für die lieben Worte 🙂

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