Diäten sind asozial

„Entspannen“, haucht die Yogatrainerin in den Fitnessraum. Jo eh … Ich versuch’s ja, aber gar nicht so einfach, wenn man auf seinen eigenen Fußsohlen sitzt, sich gleichzeitig nach vor streckt und die Knie in den Bauch bohren. Hab ich beim Rausgehen jetzt eigentlich die Waschmaschine eingeschaltet? Hoffentlich, weil dann könnte ich noch eine Ladung machen, wenn ich nach Hause komme … Okay, bin schon wieder da! Einatmen, ausatmen, die Gedanken ziehen lassen. Ich schiele rüber zur Trainerin: Braungebrannt, hübsches Gesicht, Wahnsinnsfigur. „Einatmen, zieh dich hoch“, haucht sie und schlängelt ihren Körper anmutig von links nach rechts, „Ausatmen beug dich zur Seite, steh auf, komm ins V“.

Ich biege mich nach rechts, kraxle hoch und streck mich durch. Mein inneres Ich fühlt sich dabei außerordentlich grazil und sportlich. Ich schiele in den Spiegel. Okay, meine Bewegungen ähneln dann doch eher denen eines unbeholfenen Babyelefanten, der gerade das Gleichgewicht verloren hat. Seit ich vor einem Jahr mit dem Rauchen aufgehört habe, hab ich echt viel zugelegt. Und ich bin echt nicht beweglich. Autsch! Der Anblick tut weh.

Geh bitte, sind ja nur ein paar Gramm mehr auf den Hüften!

Das Schlimmste daran: Es ist unbemerkt passiert. Man isst mehr und sagt sich: „Hey, ich darf das, immerhin qualme ich nicht mehr. Das ist eine beachtliche Leistung.“ Nach ein paar Wochen hat man ein, zwei Kilo zulegt. Man löffelt Nutella aus dem Glas und denkt sich: „Geh, bitte, lieber ein paar Gramm mehr auf den Hüften, dafür aber ein echt gesunder Lifestyle.“

Und irgendwann passen die Klamotten nicht mehr. Tja und was soll ich sagen: An dem Punkt wär ich jetzt dann …

Zumindest einige meiner Lieblingskleider bekomm ich nicht mehr zu (also zwei mal fix nicht, den Rest hab ich mich erst gar nicht getraut, anzuprobieren). Heißt also: Weniger essen, mehr Sport. Deshalb hab ich vor der Yoga-Stunde auch gleich noch einen Langhantel-Kurs besucht. Heute tut mir alles weh und ich hab’s vorhin kaum geschafft, meine Gabel zu heben und mir die Spaghetti Bolognese, die es heute zum Abendessen gab, in den Mund zu schieben … Fast schon praktisch, weil ich vor lauter Muskelkater auf die letzten fünf Bissen verzichtet und somit auch ein paar Kalorien gespart habe …

Man bekommt ein schlechtes Gewissen, wenn man tatsächlich abspeckt …

Sorry, ich hab mich verzettelt … Worauf ich nämlich eigentlich hinaus wollte: Ich finde, Diäten sind ziemlich asozial. Da kommt die Kollegin mit einem riesigen Bottich selbstgemachtes Eis ums Eck. Wenn man einfach so ablehnt, kriegt man nie wieder was weil’s unhöflich rüberkommt. So. Wenn man jetzt aber sagt: „Du, voll lieb und schaut auch extrem gut aus, aber ich darf nicht, weil ich bin gerade auf Diät …“, kommt zu 99 Prozent folgende Antwort: „Ach komm, du bist doch eh so schlank!“ Man kontert: „Eh nur zwei, drei Kilo“ und erntet einen abfälligen Blick, sodass man fast ein schlechtes Gewissen bekommt, wenn man die dann tatsächlich abspeckt. Wenn man nicht abnimmt, freut sich insgeheim die Kollegin und man selbst kann sie deshalb ab sofort nicht mehr leiden, weil das auch keine Art ist, sich am Misserfolg anderer zu ergötzen.

Und dann ist da die beste Freundin, die gerade an heftigen Liebeskummer leidet und sich mit einem hemmungslos betrinken möchte. Ein Weißer Spritzer hat 145 Kalorien. Da hamma’s: Diäten tun nix für die Freundschaft!

Die Lösung, die ich für mich gefunden hab, ist ziemlich einfach: Ich esse das Eis und spüle den Wein hinten nach. Dafür verzichte ich bei meinen anderen Mahlzeiten auf zu viel Zucker und Fett. Und ich gehe zwei Mal öfter als sonst in den herabschauenden Hund und ich bepacke die Langhantel mit mehr Gewicht. Und hey, es haut hin: Ich bin schon 450 Gramm leichter! Das ist so viel wie der Inhalt von einem Glas Nutella. Mhm, Nutella! <3

Namaste – oder so! Das Trainingsgewand passt mir zum Glück noch. Und wenn ich so weiter mache hoffentlich auch bald wieder meine Kleider! 🙂

 

29 Kommentare

  1. Seeeehr coole Sache Liebe Kathi… freu mich mehr von dir zu lesen…
    dass motiviert mich ah glei wieder mehr… gfoit ma… könnte Stunden lang deine Zeilen lesen… 😂😉😊🙋🏻…
    lg aus deiner Heimat… 🤗

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  2. Ich finde am fiesesten dass Alkohol so viele Kalorien hat… so kann man den Hunger nicht mal ertränken

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  3. oh! super! musste oft schmunzeln. welche frau kennt das nicht! ich nehme zu ganz ohne vorher geraucht zu haben 😂… ja, und schwanger war ich auch nie 😉.
    freu mich auf mehr! 😊👍

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  4. Voi sips! Gfrei mi auf mehr…
    Musste den Titel laut lesen um ihn zu begreifen – echt genial 🤣🤣🤣

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  5. hahah – grossartig 🙂 Die Yoga-Geschichte kenne ich sehr gut :))) Geht mir auch so…

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    1. Ich glaub, das mit dem Yoga und mir wird nichts mehr. Zumindest nicht in diesem Leben! Und trotzdem geh ich hin haha

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  6. bravo! herrlich erfrischend und sowas von ehrlich 😂 weiter so, freu mich schon auf die nächsten zeilen von dir !

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  7. Super‼️👍🏻‼️
    Congrats und weiter so 🎈 Freu mich schon auf deinen nächsten Beitrag yeah yeah yeah 👍🏻

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  8. Ein richtig toller Beitrag und frei mich auf mehr.
    Ich kann mich sehr gut in dich hinein fühlen. Ich Kämpfe im Moment auch. 🙂

    LG Steffi

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  9. Diäten sind nicht gut für Freundschaften! Das ist mal ein Wort! Dazu kommt, dass man auch immer die Esseneinladungen ausschlagen müsste und dann wird man nie wieder eingeladen! Oder man geht hin und stochert dann pausenlos im Essen herum, kommt auch nicht gut! 🙂 Sehr nett geschrieben! Gerne mehr! Suche gleich mal nach Folgemöglichkeiten! Grüße Verena

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  10. Ich habe bisher noch von keiner Bloggerin den Blog gelesen, da es dort immer um den selben Beauty / Fitness / Luxusgüter- Müll ging ABER dein Blog ist der absolute Mega Knaller. Ich kenne dich nicht, aber du bist mir einfach Ultra sympathisch. Bitte bitte mehr davon!!

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  11. Man muss es so sehen: Bier hat noch mehr Kalorien als Wein – also einfach Wein trinken! Am Besten gespritzt, dann ist er fast so gesund wie ein Schluckerl Mineral!

    Alles Liebe und viel Spaß noch beim Bloggen und Abnehmen – ich sollte eh auch aber dann kommt morgen eine Freundin zum vier Gänge Menü und übermorgen bin ich auch nicht daheim und überübermorgen hab ich auch keine Zeit. So schaut’s nämlich aus, wollen tu ich eh, aber ein Aperol Spritzer und ein Tratsch mit der Freundin ist dann doch wieder wichtiger.

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  12. Nett geschrieben. (-; Aber ich persönlich habe keine Schwierigkeiten damit, etwas in Gesellschaft abzulehnen, was ich nicht essen möchte. Weil die Leute mich irgendwann kennen und mich einfach ganz so, wie wie ich bin, und was ich will akzeptieren. Im Ausnahmefall nutze ich aber auch deine Lösung: solange ich zu Hause so esse und lebe, wie es mir gut tut, ist das auch kein Problem, wenn ich es bei der Freundin mal anders mache. (-; Und Diäten sind sowieso blöd… ich bevorzuge einen gesunden Lifestyle der sich für die Dauer eignet. Liebe Grüße!

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